Islam: Zu viele nicht gestellte Fragen

Veröffentlicht am 14. April 2010

Nicht schon wieder! So lautete meine gequälte Reaktion, als ich sah, dass wieder einmal eine Studie zum Thema Islam publiziert wurde. Allerdings ahnte ich nicht, wie treffend diese Reaktion war. Denn über eben diese Studie hatte „Die Presse“ Ende Februar bereits berichtet, ja die beiden Artikel tragen fast denselben Titel: Jener vom 28. Februar lautet „Jeder zweite Österreicher sieht Islam als Bedrohung“, der aktuelle wiederum: „Hälfte der Österreicher fürchtet sich vor dem Islam“.

Worin man auch immer die Ursachen dafür liegen, dass es ein und dieselbe Studie so kurz hintereinander in die Schlagzeilen geschafft hat. Vergleicht man diese beiden Berichte, so ist die einzige Neuigkeit daran leider, dass die Debatte offensichtlich nicht voran kommt. Vor zwei Monaten wie heute werden die gleichen Fragen nicht gestellt.

Zum Beispiel: In Österreich lebende Muslime würden sich zu wenig an „unsere Lebensweise und die Spielregeln des Zusammenlebens“ anpassen, meinen 72 Prozent der Befragten. Doch welche Lebensweise und welche Spielregeln sind gemeint? Oder: 65 Prozent der ÖVP-AnhängerInnen und 55 Prozent der SPÖ-AnhängerInnnen sehen im Islam eine Bedrohung für den Westen dar. Woher kommt das und was sagt das aus? Oder aber: Wie geht man damit um, dass viele Befragten finden, sie könnten über ihre Ansichten nicht offen reden? Oder: Warum wird in der Studie nicht danach gefragt, wie MuslimInnen Österreich sehen oder danach, wie sie selbst den Islam sehen?

Insgesamt belegt die Studie vor allem eins: Dass Vorurteile gegenüber „dem Islam“ sowie MuslimInnen in den Köpfen der ÖsterreicherInnen tief verankert sind. Dies wenig erstaunlich, denn die Debatten über den Islam werden viel zu sehr mit dem Ziel der Skandalisierung und Ausgrenzung geführt, sie werden über den Islam und die MuslimInnen geführt statt mit ihnen. Dass wir in der Hinsicht keinen Schritt weiterkommen, das zeigt die Rezeption der Studie auf sehr erstaunliche Art und Weise.

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