Gerhard Schröder und „das Recht auf Türme“

Veröffentlicht am 13. Dezember 2009

Der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat einen außergewöhnlichen Kommentar in der ZEIT zum Minarett-Streit in der Schweiz geschrieben. Beachtlich nicht nur sein Werben für eine differenziertere Wahrnehmung „des Islam“, sondern auch seine Kritik, dass das weit verbreitete, negativ geprägte Bild des Islam zu Vorurteilen führt – eine Kritik, die auch im Zusammenhang mit Österreich von Bedeutung ist.

Wer sich aber vor Vorurteilen hüten will, der muss bereit sein zu differenzieren. Wir sollten uns vor Augen führen, was das kulturelle Fundament unserer Gesellschaft bildet: der Respekt vor anderen Kulturen, die Toleranz gegenüber Andersdenkenden und Andersgläubigen, die Anerkennung von Vielfalt und Verschiedenartigkeit. Wir dürfen nicht zulassen, dass Fremdes von vornherein als feindlich angesehen wird.

Die Anerkennung des anderen als eines Gleichen ist ein kultureller Fortschritt, der unser Land auszeichnet und für den wir überall in der Welt eintreten wollen. Zur Differenzierung gehört Fairness, und die muss unseren Umgang mit jeder Minderheit prägen.

Schröder appelliert aber nicht nur für eine veränderte Wahrnehmung des Islam, sondern auch der muslimischen Länder. Zwar kann man am ex-kanzlerischen Lob mancher Staaten durchaus zweifeln. Dennoch trifft es leider zu, dass oft sehr pauschalisierende Bilder gezeichnet werden, wenn nicht überhaupt die „islamische Welt“ über einen Kamm geschoren wird. Genau diese Darstellungen nähren das vorurteilsgesprägte Bild eines rückständigen und autoritären Islam, die auch Einfluss auf die Gesellschaft haben.

Bleibt mir nur, mich seiner Analyse eines sinnvollen Integrationsdiskurses und einer sinnvollen Integrationspolitik anzuschließen:

Nur wenn wir einander begegnen und gegenseitiges Interesse entwickeln, wächst das Verständnis. Das Zusammenleben in multikulturellen Gesellschaften kann nicht konfliktfrei sein. Es braucht auch nicht konfliktfrei zu sein, aber wesentlich ist, dass diese Konflikte friedlich und im Dialog gelöst werden. Es geht nicht um einen Kampf der Kulturen, sondern um einen Kampf um die Kultur. Dabei brauchen wir weder vor Kirchtürmen noch vor Minaretten Angst zu haben.

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