Stirb langsam – am Amt…

Veröffentlicht am 23. Februar 2007

„Sie können aber auch…“, setzte der Beamte des Magistratischen Bezirksamts an, um sogleich wieder inne zu halten. „Nein.“ Was er denn sagen wolle, fragte ich. „Na, ich wollte sagen, dass sie auch mit Bancomat-Karte zahlen könnten. Aber das geht ja nicht.“

„Sie sagen es“, meinte ich schmunzelnd, denn ich hatte gerade zuvor eine Verlustanzeige aufgegeben – und zwar von der Bancomatkarte :-).

Als ich dann bei der Kasse meinen Obolus von 2 Euro 10 in bar leistete, konnte ich einen Blick hinter den Schalter werfen und musste gleich nochmal schmunzeln: Dort zierte ein Filmplakat von „Stirb langsam – Jetzt erst recht“ die Wand. Vermutlich sollten sich die staatlichen Behörden einfach mal einen anderen Begriff als „Amt“ überlegen, denn wenn ich das Wort höre, habe ich sofort Assoziationen, im besten Falle an die MA 4712, im schlimmsten Falle an Kafka.

Nicht nur das Vorzimmer, das mehr die Bezeichnung Halle verdient, war genau so, wie man sich das vorstellt. Es ist das Ganze drumherum, das mich einfach nur „Amt!“ denken ließ. Anhand der Türschilder kann man  ausmachen, durch welche der beiden Türen man nun treten wird müssen, um entweder einen Pass oder Personalausweis oder aber eine Verlustanzeige zu bekommen. Natürlich muss man auch eine Nummer ziehen, was wäre auch ein Besuch beim Amt ohne Nummer :-). Aber im ernst: Grundsätzlich ist es eine großartige Erfindung, aber man kann das auch nach dem Motto „Warum einfach, wenns kompliziert auch geht?“ organisieren: „Für Meldesachen keine Nummer nehmen“, „Nur für Pässe Nummer ziehen“, „Wenn Sie einen Pass abholen, keine Nummer ziehen, sondern gleich eintreten.“ So hantelt man sich also durch, je nachdem, warum man nun am Amt ist. Was diesem wirklich sehr genialen System allerdings fehlt, ist diese Anzeige, welche Nummer nun eigentlich als Nächstes dran ist.

Also kann man eh nur nachschauen – und sich mitunter den Ärger der anderen Wartenden zuziehen, wie dies einer der frisch Angekommenen tat, der einfach auf gut Glück hineinging. Nur: Auch hinter der Tür weiß niemand, welche Nummer denn nun als nächstes dran ist – und es fragt auch niemand danach. „Typisch Mann!“, warf eine der beiden älteren Damen, die auch warteten, dem Mann sogleich nach.
Aber immerhin, so kommt man ins reden, und wir wartenden konnten gemeinsam Nummern austauschen, ausrechnen, wann man ungefähr dran sein würde, rätseln, wo denn nun eigentlich was ist, denn an der einen Tür steht „Pässe“, aber durch die Fundamtstür rief eine Beamtin „Pässe?“ hinaus. Was mich aber am meisten amüsierte, war dass es das Amt bei all den Schildern nicht geschafft hat, Informationsblätter aufzulegen oder zumindest -schilder aufzuhängen, welche Dokumente man braucht, wenn man einen Pass oder Personalausweis beantragen will.


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