„Folkloreabend“ mit Holocaust-Verharmlosung

Veröffentlicht am 20. Februar 2007

Wenn also ein Liedermacher die Zeilen „Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an, bis sechs Millionen Juden, da ist der Ofen an“ zum „Besten“ gibt, so ist das also ein „Folkloreabend“. So zumindest sieht es der FPÖ-Chef Hans-Christian Strache.

Nun ist diese Geschichte nun wahrlich keine Neue, sondern sie ereignete sich im Jahr 2003. Auch damals schon war der nunmehrige Vorsitzende des Banken-Untersuchungsausschusses Martin Graf bereits „alter Herr“ der Burschenschaft Olympia – und Abgeordneter zum Nationalrat. Und es war nicht das erste Mal, dass die Olympia mit einer mehr als problematischen Einladungspolitik die mediale Öffentlichkeit erregte.

„Im Milieu der deutsch-nationalen Korporationen gehört die Olympia zu jenen Verbindungen, denen wir extremistischen Charakter attestieren“, sagte mir Heribert Schiedel vom DÖW bereits im Jahr 2005 in einem Interview. „Bei ihnen gibt es Berührungspunkte zum Neo-Nazismus, was sich etwa in ihrer Einladungspolitik äußert: Immer wieder laden sie Neonazis zu ihren Veranstaltungen ein“, so der Rechtsextremismus-Experte.

Der Anlass: Beim von der Olympia organisierten Schiller-Kommers am 11. Juni 2005 sprach unter anderem der Publizist Walter Marinovic, laut DÖW „einer der bedeutendsten rechtsextremen Publizisten“. Der Vorsitzende der Olympia, Christoph Völk, damals: „Er ist eine ausgezeichnete Persönlichkeit auf historischem Gebiet.“ Am Rande des Kommerses trat damals ein anderes Mitglied der Olympia auf: Der freiheitliche Unirat Friedrich Stefan.

Leider also ist all das nichts Neues, und es macht auch die FPÖ nicht – wie es das BZÖ nach der Spaltung gerne dargestellt hätte – zu einer radikaleren Partie, immerhin ereignete sich der Vorfall noch vor der Spaltung. Nichts desto weniger ist die Bezeichung eines Abends, bei dem Lieder wie diese gesungen werden, als „Folkloreabend“ eine grobe Verharmlosung. Letztlich aber zeigt die jetzige Debatte vor allem eines: Ereignisse wie diese keine Konsequenzen, immerhin wurde bereits im Jahr 2003 darüber berichtet, und die Geschichte vom STANDARD jetzt nur ein weiteres Mal aufgewärmt. Und auch diese Aufwärmung wird, darauf traue ich mich einiges zu verwetten, keine haben.


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