Der Nahostkonflikt und seine vielen Facetten

Veröffentlicht am 17. Mai 2008

In den vergangenen Tagen habe ich einige Sendungen gesehen und Berichte gelesen, in denen es um die Geschichte Israels ging, die untrennbar mit dem Konflikt mit den PalästinenserInnen verbunden ist. Am Spannendsten dabei fand ich die Debatte in der Sendung „Ripostes“ im französischen Sender TV5, die außergewöhnlich vielseitig war in den Argumenten, die dort zu hören waren.

Erfrischend ausgewogen war auch die Dokumentation „1948 – Jüdischer Traum, arabisches Trauma“ von Gabriela Hermer, die am Mittwoch in der ARD ausgestrahlt wurde. Hermer stellt darin die verschiedensten Seiten in einer Form dar, wie ich sie noch selten in Dokumentationen gesehen habe, denn die meisten sind aus meiner Sicht leider relativ einseitig.

Sie zeigt, dass die Gründung des Staates Israel eben nicht nur Resultat der Shoah war, was von arabischer Seite gerne als Argument eingebracht wird. Genauso aber zeigt sie die palästinensische „Katastrophe“, die die Ausrufung des Staates Israel begleitete, die Vertreibung und Ermordung tausender PalästinenserInnen. Auch die problematische Rolle Großbritanniens in dieser Zeit lässt Hermer nicht aus, genauso wenig jene der arabischen Nachbarn. Die Darstellung von ZeitzeugInnen füllen die abstrakten historischen Schilderungen mit Leben – und zeigt, wie paradox es ist, von „zwei Seiten“ des Konflikts zu sprechen.

Der Verdienst von Hermers Dokumentation: Sie macht deutlich, wie komplex der ganze Konflikt ist, in dem immer wieder einzelne Ereignisse in den Vordergrund gerückt werden, während andere geflissentlich übergangen werden. Und sie straft all jene Hobby-Nahost-ExpertInnen Lügen, die vorgeben, den Konflikt schnell mal erklären zu können. Denn würde man all dem nachgehen, das sie in der Doku zeigt, hätte man Stoff für ein jahrelanges Studium.

Zugleich wird klar, wie schwer die Geschichte es den Konfliktparteien oft macht, Wege in die Zukunft zu führen. Letztlich bestätigen mich sowohl die Dokumentation als auch die Diskussion darin, dass erst dann Fortschritte und auch eine Annäherung möglich ist, wenn alle Seiten ihren Teil der Verantwortung übernehmen, statt immer nur auf die Verantwortung der anderen zu zeigen.

Link: Tagesspiegel-Bericht über Hermers Dokumentation


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