Die 30er-Lüge

Veröffentlicht am 29. Juli 2015

Im Grunde wäre es ja nicht so wahnsinnig schwer, AutofahrerInnen dazu zu bringen, sich an den 30er zu halten. Rezepte dafür gibt es genug, gerade erst habe ich in Frankreich eines wirklich altes, aber umso effektiveres mit dem Namen „Schwelle“ erlebt. Umso weniger verstehe ich, was sich seit der Einführung der 30er-Zone in der Neustift- und Burggasse abspielt: Wer versucht, sich daran zu halten, wird von den anderen angehupt und bedrängt. Taxis rasen die Busspur entlang und sind für FußgängerInnen eine echte Lebensgefahr.

Da ich selbst auch immer wieder Autofahrerin bin, weiß ich: Es ist in der Tat eine Herausforderung, in einer breiten Ausfallsstraße wie der Neustiftgasse mit einem 30er herumzuschleichen. Nur wen kratzt´s?

Selbst schuld?

Wie man AutofahrerInnen zur Einhaltung dieser Geschwindigkeitsbegrenzung bringen kann, kann man aktuell sogar in der Neustiftgasse selbst beobachten: aufgrund einer Baustelle ist die Straße dort auf einen Fahrstreifen verengt. Und siehe da: Auf einmal fahren sie alle ganz, ganz vorsichtig.

Eine andere einfache Möglichkeit sind bereits erwähnte Schwellen. Denn wer seine Achse mag, bremst automatisch ab. Aber die sind ja laut Wiener Linien ganz unmöglich, der Bus und so. Dem würde ich gerne Frankreich entgegenhalten, wo man auch durch ganz kleine Schwellen dazu „motiviert“ wird, abzubremsen.

Nun gut, sei’s drum. Was mir aber ein absolutes Rätsel ist: warum wird dann immer noch nicht auf ein anderes Rezept zurückgegriffen: In regelmäßigen Abständen Radare aufbauen, so dass blecht, wer rast. Meiner Ansicht nach hat im übrigen in in einer Stadt nichts verloren, wer rasen will – und wer will, findet genug Spielplätze, um sich auszutoben, ohne andere dabei zu gefährden. 

Unterm Strich ist mir völlig unverständlich, warum von keiner dieser Maßnahmen Gebrauch gemacht wird – noch dazu in einer rot-grünen Stadt und einem grünen Bezirk. Vor allem aber halte ich es für verkehrspolitisch gefährlich, wenn weitere Generationen von autofahrenden Menschen dazu erzogen werden, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen eh nur zum Ignorieren da sind.

Die Abschaffung der 30er-Beschränkung wäre vor allem den FußgängerInnen gegenüber ehrlicher. Dann würden sie weiterhin dazu erzogen werden, immer und überall Gefahren zu sehen. Denn das eine ist, dass offiziell immer wieder erklärt wird, dass FußgängerInnen und RadfahrerInnen mehr Raum gegeben wird – das andere ist die Realität und da bleibt all das nur eine Absichtserklärung. Leider!


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