Da ist ein Loch in der Küche…

Veröffentlicht am 25. Juni 2014

20140625-025321-10401549.jpgOk, das mit dem Verkauf von Fächern und allerlei anderen Gemischtwaren klang schon etwas schräg. Aber gut, in Zeiten von Retro: Wer weiß? Nur leider rollten die Rolläden schon nach einem einzigen Tag wieder herunter. Wie gut, dass ich mich von Anfang an nicht auf ein solch riskantes Geschäftsmodell verlassen wollte. Das Experiment aber war es wert, immerhin konnte ich so einen spannenden Dreh hautnah mitverfolgen.

In der Tat war es ein sehr interessant, so aufwändige Dreharbeiten mit einer Riesen-Crew quasi aus der ersten Reihe fußfrei sehen zu können. Noch dazu ging es im Film um den Kampf einer vertriebenen Wiener Jüdin für Klimt-Bilder aus dem Familienbesitz bzw. nachträgliche Wiedergutmachung für NS-Verbrechen – ein Thema, über das sich leider immer noch viel zu viele antisemitische Vorurteile ventilieren.

Mancher Aufwand wirkt allerdings ziemlich übertrieben, wenn man sich vor Augen hält, wie groß der Kontrast zwischen den scheinbar endlosen Ressourcen für einen Film wie diesen und den spärlichen Ressourcen für gesellschaftspolitisch wertvolle Projekte ist. Aber ist ein solcher Film nicht auch gesellschaftspolitisch relevant?

Ein bitterer Nachgeschmack bleibt jedenfalls. Freu mich dennoch schon sehr auf den Film, auch wenn es bis zur Premiere noch eine ganze Weile dauern wird, konkret bis Herbst 2015. Aber hey: Helen Mirren ging nur ein paar Meter an mir vorbei – und diese Frau sieht nicht nur super aus, sondern ist auch noch schwer sympathisch. Da kann sich frau schon ein bisschen in Geduld üben.

In unserem Büro gibt es allerdings eine wesentlich drängendere Baustelle. Immerhin klafft mitten in der Küchenwand ein Loch bzw. besser gesagt: Die Küche ist futsch. Sie wurde nämlich kurzerhand mit dem Nachbarbüro zusammengelegt, um als Kulisse für die Apotheke zu dienen – eine wirklich tolle noch dazu. Bin auch schwer fasziniert, was da alles aufgebaut wurde, und wie schnell der Platz nachher leergefegt war. Gut, das Loch ist noch da. Aber wer hat schon mal ne Küche, die Kulisse für einen Film war? Bin mal gespannt, in welcher Geschwindigkeit sie auch dieses Loch wieder stopfen werden.

Die zwei Tage Dreh haben viele Menschen rund um den Ulrichstplatz jedenfalls ins Filmfieber versetzt: Welcher Film wird denn gedreht? Wer spielt denn nun eigentlich mit? Stimmt es, dass Helen Mirren kommt? Sind Daniel Brühl, Katie Holmes und Ryan Raynolds nun mit dabei? Ist das Tom Schilling oder nicht? Fragen wie diese schwirren ebenso über den Platz wie die Aufregung, die dieses ungewöhnliche Ereignis auslöst.

So hübsch sie die Auslagen unseres Büros auch für den gestrigen Dreh gemacht haben, so beklemmend wirkten die Schauspieler in Nazi-Kostümen – auch mit Eis in der Hand. Denn die NS-Zeit, die man sich doch so schwer nur vorstellen kann, wurde auf einmal unheimlich plastisch.

Ach ja, der Film heißt „Woman in Gold“,  besondere Beachtung verdienen natürlich die Apotheken-Szenen 😉 .


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