Eingesperrt im AMS und drei weitere Anekdoten

Veröffentlicht am 10. März 2014

Es gibt Momente, wo man sich im Nachhinein fragt, warum man nicht geistesgegenwärtiger war. Ein solcher passierte mir vor einiger Zeit, als ich mit dem AMS zu tun hatte. „Bitte kommen Sie spätestens 10 Minuten vorher, denn wir sperren dann die Tür zu“, sagte mir der Berater am Telefon. Vielleicht habe ich es nicht glauben wollen, jedenfalls dachte mich mir noch nicht allzu dabei gedacht. Vermutlich aber hatte ich zu dem Zeitpunkt ganz andere Sorgen als eine zugesperrte Tür beim AMS.

Als ich dann in diesem Raum saß und tatsächlich die Tür zugesperrt wurde, musste ich erst einmal tief durchatmen. Bei dem Termin wurden die TeilnehmerInnen über grundsätzliche Dinge zum Thema Arbeitslosengeld, Jobsuche und Angeboten des AMS informiert. Der Besuch ist Pflicht, wer nicht hingeht, dem/der droht die Streichung der Förderungen.

Das allein wäre noch kein Problem, die Veranstaltung dauerte knapp eine Stunde und ich konnte ein paar nützliche Informationen mitnehmen. Dass man erwachsene Menschen in einen Raum einsperrt aber, darüber ärgere ich mich eigentlich bis heute mindestens so sehr wie darüber, dass ich damals nichts darüber geschrieben habe. Schließlich gibt es zum Thema AMS weitaus mehr zu erzählen als diese Anekdote. Einiges davon hat mein Kollege Gunther Müller in der aktuellen Zeit unter dem Titel „Weggeschoben“ zum Thema gemacht – eine sehr lohnende Lektüre!

Anekdote zwei: Weiterbilden ja, aber nicht am Abend oder Wochenende!

Ergänzen möchte ich noch drei weitere Anekdoten: Ich wollte mich damals in Sachen Journalismus und Grafik weiterbilden. Im Auge hatte ich eine Moderationsschulung sowie Weiterbildungen zu den Themen Bildbearbeitung und Webdesign. Das Prozedere bei Maßnahmen, die nicht übers AMS angeboten oder vermittelt werden, ist einfach: Man wendet sich an die Weiterbildungseinrichtung und lässt sich einen Kostenvoranschlag zuschicken, den man dem/der AMS-BeraterIn vorlegt. DieseR wiederum entscheidet, ob die Maßnahme Sinn macht oder nicht, also genehmigt wird oder nicht. Um Sinn oder Unsinn ging es in meinem Fall aber gar nicht. Die von mir gewünschten Weiterbildungen wurden einzig und allein deshalb abgelehnt, weil sie jeweils am Wochenende oder am Abend stattgefunden hätten.

Anekdote drei: Zeitvertreib statt sinnvoller Weiterbildung

Dafür mag das AMS seine Gründe haben, mir hätten diese Maßnahmen allerdings weitaus mehr gebracht als jede Bewerbungsschulung. Eine weitere Anekdote dazu: Vor einigen Jahren war ich einen Monat zwischen zwei Jobs arbeitslos, damals schickte man mich in eine Maßnahme für AkademikerInnen – und das, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon eine Jobszusage für einen weiteren Job hatte. Es war ein zweitägiges Seminar, das ja ganz nett, im Großen und Ganzen aber eher Zeitvertreib denn sinnvolle Maßnahme war. Völlig anders wäre es mit den von mir vorgeschlagenen Seminaren gewesen. Sei´s drum, ich habe mir die Weiterbildungen dann selbst finanziert und bin froh darüber, denn sie waren wirklich super.

Anekdote vier: „Richtige“ Beratung erst nach drei Monaten?

„Die ersten drei Monate kannst Du Dich zurücklehnen.“ Immer wieder hörte ich damals diesen Satz. Doch ich wollte mich nicht zurücklehnen, ganz im Gegenteil. Ich wollte Beratung, meine Optionen ausloten, Schritte in die Zukunft setzen. Dafür braucht man das AMS nicht, keine Frage. Nichts desto trotz fand ich es einigermaßen seltsam, dass ich erst drei Monate hätte warten sollen, bis ich eine „richtige“ Beratung bekommen hätte. Zum Glück aber brauchte ich selbst diese nicht mehr, denn meine Rastlosigkeit hatte mir genug Aufträge beschert, so dass ich mich beim AMS wieder abmelden könnte. Nach wie vor aber denke ich, dass es nur wenig Sinn macht, Menschen drei Monate lang mehr oder weniger allein lavieren zu lassen, bevor man ihnen eine „richtige“ Beratung zukommen lässt.


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