Im Blauzeug auf der Karriereleiter nach oben

Veröffentlicht am 07. Oktober 2010

Sandra Pfliegler und Sabine Weiß haben als Frauen in ihrem Betrieb eine technische Lehre gemacht – anderen Mädchen würden sie das durchaus empfehlen.

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Im Moment arbeitet Sandra Pfliegler mit Drähten, die anschließend unter anderem in der Musikindustrie verarbeitet werden. Sie ist Lehrling in der Gold- und Silberschmiedeanstalt „Ögussa“ und dort das einzige Lehrmädchen in der mechanischen Fertigung. Selbstbewusst führt sie durch den Betrieb und stellt die verschiedenen Bereiche vor und die Menschen, die an den jeweiligen Geräten arbeiten. Es sind fast durchwegs Männer, ein Problem scheint das nicht zu sein, ganz im Gegenteil: Überall wird sie freundlich begrüßt und man merkt, dass sie von allen anerkannt und geschätzt wird. Ob sie jemals blöd angeredet wurde, weil sie eine Frau ist? „Nein, nie!“

Schon früh hat sich Pfliegler für Technik interessiert: „Ich war schon als Kind dauernd in der Werkstätte von meinem Vater“. So war für sie auch klar, dass sie eine technische Lehre machen wollte, am Ende hatte sie sogar drei Angebote. Entschieden hat sie sich für eine Firma, bei der sie gleich zur Pionierin wurde: Pfliegler ist im mechanischen Bereich die erste Frau, die eine technische Lehre gemacht hat. Möglich gemacht hatte dies ihr Abteilungsleiter Gerhard Wagner, der sich dafür eingesetzt hat, dass sich sein Betrieb aktiv um weibliche Lehrlinge bemüht. Auf Vorbehalte antwortete er: „Sie werden sehen: Das klappt!“ Er behielt Recht.

Auf dem Weg zur Werkmeisterin

Auch Sabine Weiß war im Jahr 2003 die erste Frau, die in der OMV eine technische Lehre absolviert hat. Auch sie ist an ihrem jetzigen Arbeitsplatz am Standort Aderklaa die einzige Frau, die in einem technischen Bereich arbeitet. Und auch sie wusste schon früh, dass sie in diesem Bereich arbeiten wollte: „Ich habe früher schon mit Freunden an Motorrädern rumzangelt“, erzählt sie. Gar drei Lehren hat sie gemacht, inzwischen ist sie ausgelernt, arbeitet „in der Schicht“ und macht außerdem eine Ausbildung zur Werkmeisterin. „Sie ist eine unserer Pionierinnen“, sagt ihr ehemaliger Ausbilder Andreas
Steinwender voller Stolz. Anders als die beiden kommen viele Mädchen gar nicht auf die Idee, dass auch technische Berufe für sie interessant sein könnten. „Viele trauen sich das einfach nicht zu, obwohl sie es durchaus könnten“, bedauert Steinwender.

Für junge Frauen fehlt es oft an Informationen, welche Lehrberufe außer den „traditionellen“ für sie interessant sein könnten. „Aber nicht nur das, es ist gar nicht so leicht, Firmen zu finden, die eine technische Lehre für Mädchen anbieten“, berichtet Margarete Bican. Sie ist Geschäftsführerin vom Verein sprungbrett, der für interessierte Mädchen den Kontakt zu eben solchen
Firmen herstellt. Um ein breiteres Bewusstsein zu schaffen und weitere Firmen zu motivieren, eine technische Ausbildung für Mädchen anzubieten, hat sprungbrett vor 15 Jahren den Amazone-Preis initiiert. Die diesjährige Auszeichnung ging an OMV, Ögussa und den Wiener Kläranlagenbetrieb EBS. Auch die AK war unter den 37 nominierten Betrieben. Die 15jährige Verena Bauer wird in der AK Kantine zur Köchin ausgebildet.

Technische Berufe zahlen sich aus

Dass Mädchen sich vor allem für traditionelle Lehrberufe entscheiden, ist auch einer der Gründe dafür, dass Frauen um ein Viertel weniger verdienen als Männer. „Rund die Hälfte der Mädchen entscheiden sich für Einzelhandel, Bürokauffrau oder Friseurin, Berufe mit oft niedrigen Verdiensten und wenig Karrieremöglichkeiten“, so AK Arbeitsmarktexpertin Gerlinde Hauer. Dass es sich auszahlt einen technischen Lehrberuf zu ergreifen, davon sind Pflieger und Weiß überzeugt. Auf die Frage, ob sie das anderen Mädchen weiterempfehlen würde, meint Pfliegler kurz und bündig: „Auf alle Fälle!“ ■ SONJA FERCHER

Der Verein sprungbrett unterstützt Mädchen, die sich für eine Lehre in einem handwerklichen oder technischen Beruf interessieren, und vermittelt Schnupperplätze. Infos: www.sprungbrett.or.at (Erschienen in: AK Für Sie, Oktober 2010)


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