Seit gestern ist es offiziell: Im Januar verlasse ich derStandard.at und begebe mich in ein neues Wagnis. Sechs Jahre war ich immerhin dabei, daher ist die Entscheidung auch nicht einfach gefallen. Aber als sie dann getroffen war, war es auch gut so. Nun bin ich neugierig, was da noch so auf mich zukommt, bin aber zuversichtlich. Am meisten freue ich mich aber auf die zwei Wochen Resturlaub, denn meine Batterien wollen wieder aufgetankt werden, damit ich mich dann mit voller Energie wieder in neue Abenteuer stürzen kann.

Sechs Jahre, eine ziemlich lange Zeit, in der ich viele spannende Geschichten machen konnte, sehr viel gelernt habe und die nun zu einem Abschluss kommt. Zeit natürlich, um zu rekapitulieren, um Dinge Revue passieren zu lassen. Ach ja, es waren schon aufregende Jahre. Schließlich hätte ich mir nie und nimmer gedacht, dass ich mal bei einer Online-Redaktion landen würde. Ich und das Internet? Vor sechs Jahren war das für mich noch kaum vorstellbar, und weil unsere Arbeit damals noch hauptsächlich darin bestand, Agenturmeldungen und Zeitungsartikel zu kopieren, habe ich auch schon nach wenigen Monaten begonnen, meine ersten Bewerbungen zu schreiben.

Aber dann kam doch alles anders, ich konnte auf einmal schreiben, wir begannen unsere ersten Gehversuche als „echte“ JournalistInnen – genau das, worauf ich die ganzen Jahre hingearbeitet habe. Es war ein langer Kampf, bis wir endlich da waren, wo wir heute sind und ich freue mich und bin auch ein bisschen stolz darauf, dazu beigetragen zu haben, dass derStandard.at sich heute durch so viele Eigengeschichten ein eigenes Profil erarbeitet hat. Ach, hätte man mir damals gesagt, dass ich einmal als Korrespondentin aus Frankreich berichten würde, ich hätte es nicht geglaubt. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich sogar einen Präsidenten interviewen würde (wenn auch vom nicht anerkannten Staat Nordzypern), ich hätte es nicht geglaubt. Hätte man mir gesagt, ich würde eines Tages mit Dany Cohn-Bendit im Fernsehen diskutieren, ich hätte laut gelacht.

Aber all das ist passiert – und noch viel mehr. Dennoch war es für mich Zeit zu neuen Ufern aufzubrechen. Wünscht mir Glück, das kann ich gut gebrauchen. Nun freue ich mich auf die Geschichten, die ich noch bis Januar machen kann – und auf den kleinen Nikolas, denn den gehe ich jetzt besuchen.


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