Durchwachsene Bilanz in Sachen Geschlechtergerechtigkeit

Veröffentlicht am 22. Juni 2012

Eigentlich wollte die Sozialistische Partei ja eine Frau zur Präsidentin der Nationalversammlung machen. Doch dann machten ihr die WählerInnen einen Strich durch die Rechnung, indem sie Ségolène Royal nicht ins Parlament wählten. Von den vier KandidatInnen hat sich gestern Claude Bartolone durchgesetzt. Auch an die Spitze der Sozialistischen Fraktion in der Nationalversammlung wurde mit Bruno Le Roux ein Mann gewählt. Damit bleiben alle wichtigen Funktionen an der Spitze des französischen Staates in Männerhand.

In der Regierung wiederum gab es eine kleine Verbesserung: Zwei Ministerinnen, die bislang „delegiert“ waren, sind nun zu Ministerinnen avanciert: Delphine Batho wechselte an die Spitze des Umweltressorts. Die bisherige Umweltministerin Nicole Briq wiederum wurde Ministerin für Außenhandel – diese Materie gehörte bislang zu den Agenden von Finanzminister Pierre Moscovici. Damit gehören der französischen Regierung nun 11 Ministerinnen und 9 Minister an.

Zuwachs gab es auch bei den „delegierten MinisterInnen“, und zwar zwei Frauen und zwei Männer: Anne-Marie Escoffier ist zuständig für das Thema Dezentralisierung, Hélène Conway für die FranzösInnen im Ausland, Guillaume Garot für den Nahrungsmittelsektor und Thierry Repentin für Weiterbildung. Durch die bereits erwähnten Umschichtungen sind unter den Vize-MinisterInnen nun die Männer in der Mehrheit: Zehn gegenüber acht. Insgesamt bleibt aber ein Ungleichgewicht bestehen: Die Schlüsselministerien sind mit einer Ausnahme weiterhin in Männerhand.

Ähnlich durchwachsen ist die Bilanz in Sachen Geschlechtergerechtigkeit, wenn man die Nationalversammlung betrachtet: Zwar sind darin so viele weibliche Abgeordnete vertreten wie noch nie: „155 Frauen in der Nationalversammlung – ein Rekord“, schrieb etwa Le Monde. Doch sie stellen gerade einmal 26,87 Prozent der Abgeordneten. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass es fast um die Hälfte mehr sind als in der vergangen Legislaturperiode, in der nur 107 Frauen vertreten waren. Österreich steht im Übrigen nur ein bisschen besser da: Die Frauen stellen 27,3 Prozent der Abgeordneten im Nationalrat, 32,8 Prozent sind es im deutschen Bundestag.


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