Ich bin ein „Hardcore-Multikulti“, jawohl!

Veröffentlicht am 19. September 2007

Aufgrund meiner Polemik auf derStandard.at wird mir ja nun vorgeworfen, ich sei ein „Hardcore-Multikulti“. Aber wenn ich schon eine Polemik schreibe, muss ich auch damit rechnen, dass mir mit Polemik geantwortet wird.

Dennoch, Multikulti finde ich ein spannendes Konzept. Früher mal war es was Positives, man dachte an bunte Parties, fremdes Essen, das einen neue Gewürze entdecken ließ, „Music of the world“ oder Trommlereien. Dann kamen die Anschläge des 11. September, mehrten sich Berichte über die Missachtung von Menschenrechten oder die Unterdrückung von Frauen bei MigrantInnen – und schon hatten die Rechten Multikulti umgedeutet.

Dabei leben wir in Europa längst in einer multikulturellen Gesellschaft, auch wenn das manche nicht wahrhaben wollen: Nicht nur, dass sich zu viele MigrantInnen inzwischen dauerhaft hier niedergelassen haben, als dass noch von Monokultur die Rede sein könnte. Auch Musik, Literatur oder Küche fremder Länder ist aus unserer Kultur nicht mehr wegzudenken. Wer hätte sich denn schon gedacht, dass selbst in Wien alle möglichen internationalen Restaurants zu finden sein werden? Thailändisches oder vietnamesisches Essen: Da dachte ich früher immer an London, Paris oder New York.

Nein, Multikulti ist ein Kampfbegriff geworden, der aber völlig deplatziert ist. Was hat das denn mit Multikulti zu tun, dass Frauen zwangsverheiratet werden? Wer will diese Praxis schon dulden, ob in Europa oder anderswo?

Diese Unterstellungen, die meistens dem Begriff Multikulti folgen, entlarven im Grunde all jene, die sie bringen: Nicht an der Debatte sind sie interessiert, auch nicht an den Argumenten der von ihnen als „Hardcore-Multikultis“ beschimpften Menschen. Denn sie wissen ja ohnehin schon vorher, wie diese denken. Tolle Verteidiger der europäischen Werte!

Um´s mit Amélie Poulain zu beenden: Was ich nicht mag, sind Digeridoos, Kardamom, Musikantenstadl und asiatische Filme bei der Viennale. Was ich mag sind fremde Länder, endlose Diskussionen, am liebsten in einer (oder zwei) Fremdsprache(n) – und schlafen. In diesem Sinne: Gute Nacht! 🙂


1 Kommentar zu Ich bin ein „Hardcore-Multikulti“, jawohl!

  • […] einmal habe ich an dieser Stelle meinen Unmut über Multikulti-Verächter geäußert. Gerade jetzt, wo in Deutschland massiv über […]

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