Indoktriniertes Milchbubi

Veröffentlicht am 18. September 2007

Ein Thema, mit dem ich mich in den vergangenen Tagen beschäftigt habe, sind klarerweise die Verhaftungen von drei Islamisten, die verdächtigt werden, ein Drohvideo produziert haben. Wie immer, wenn so etwas passiert, gehen die Emotionen hoch und setzt die Debatte über „den Islam“ und wie vereinbar diese Religion mit „unseren Werten“ sei.

Dabei staunte ich nicht schlecht, als ich realisierte, wer der „Kopf“ der Gruppe war: Dieses wirre Milchgesicht?!, dachte ich mir. Denn es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich diesen „Teddybären“ (Barbara Coudenhove-Calergi) kennengelernt. Es war rund um den Karikaturenstreit, als ich im Programm der Pressekonferenzen auf einmal auf eine mit dem Titel „Österreichs Muslime der zweiten Generation begehren auf“ stieß.

Guter Titel, das muss man dem jungen Mann lassen, denn ähnlich wie ich dürften viele JournalistInnen gedacht haben, die sich da im Café Rathaus versammelten – und schon beim Anblick der Plakate staunten, die da an der Wand hingen und zur Solidarität mit Islamisten im Irak oder Palästina (sie nennen das lieber „Widerstand“, aber na ja) aufriefen.

Als ich dann sah, dass die PK gemeinsam mit der „Antiimperialistischen Koalition“ (näheres siehe hier) organisiert worden war, war mir eigentlich schon schlecht. Aber da ich nun einmal da war, wollte ich mir natürlich trotzdem anhören, was die Herren so zu erzählen haben.

Ja, und der selbsternannte Sprecher der aufbegehrenden „Muslime der zweiten Generation“ war jener Herr, der nun im Häfen sitzt. Er wirkte eigentlich nicht sehr ernstzunehmend, mehr wie so ein indoktrinierter Spinner, der aber mehr Phrasen drosch und mich an andere junge Leute erinnerte, die halt gerne die Revolution predigen, aber nicht so ganz genau wissen, worüber sie da eigentlich reden. Von Satz zu Satz stieg die Intensität des Kopfschüttelns meiner anwesenden Kollegen (und mir), nach Ende der Pressekonferenz gingen wir fassungslos aufeinander zu und tauschten uns über den Irrsinn aus, der da gerade verzapft worden war.

Tja, aber Milchbubi hin, Milchbubi her: Einer der Journalisten berichtete, dass Mohamed M. Kontakte mit einem ebenfalls unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehenden Imam steht. Ich bin mir zwar nach wie vor nicht sicher, wie mein Kollege Christoph Winder, der ebenfalls vor Ort war, meinte: „Wer weiß?“.

Aber dennoch bin ich eher der Meinung, dass der Mann nur groß tönte. Allerdings würde es mir auch schon reichen, wenn er tatsächlich „nur“ die Drohvideos produziert hat, denn deren Inhalt ist nun einmal nicht harmlos, auch wenn es nur Worte sind…


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