Ein Wunsch, nicht nur für Weihnachten

Veröffentlicht am 16. Dezember 2006

„Nehmen Sie doch bitte einen Einkaufswagen“, rief heute die entnervte Verkäuferin im Supermarkt um die Ecke. Das Problem: Ich und zwei weitere Einkäuferinnen „blockierten“ die Kasse, weil wir unsere Sachen noch einpackten.

Dabei will ich gar nicht die Kassiererin zum Sündenbock machen, sie macht nur das, was von Geschäftsführung und KäuferInnen von ihr erwartet wird: Das Zahlen möglichst schnell abwickeln, so dass man nicht allzu lange an der Kasse stehen muss. Und es ist genau dieser Ansatz, der mich nervt.

Zwar bin ich zugegeben ein sehr ungeduldiger Mensch. Was ich noch viel mehr hasse, ist unnötiger Stress. Stress, dass ich meine Einkäufe am besten auf wundersame Weise schon eingepackt habe, sobald sie über die Laserkasse gezogen wurden. Stress, selbst mit Einkaufswagen, denn dann habe ich meistens sehr viel eingekauft und auch diese Waren müssen so schnell wie möglich in das Wägelchen geworfen werden, um keinen Stau zu verursachen. Stress, das Geld schnell zusammen zu suchen, am besten schon vorher ungefähr wissen zu sollen, was es ungefähr kostet, keine Zeit mit Kleingeld-Rauskramen verwenden, denn das haben die VerkäuferInnen schneller beinander. Stress, gleich wieder den Einkaufswagen leer geräumt zu haben, damit ihn die Nächsten gleich wieder benutzen kann. Ein Horror vor allem für alte Menschen, die alles nicht mehr so schnell schaffen – aber ein Horror auch für mich.

An Tagen wie heute denke ich sehnsüchtig an meine Zeit in Frankreich. Da hat man ein Recht auf Zeit, Maßstab sind nicht jene, die es eilig haben, Maßstab ist die Geschwindigkeit jedes/-r Einzelnen. Erst wenn alles eingepackt ist, kommt der/die Nächste dran. Es kostete mich anfangs eine große Überwindung, denn von hier war ich ja das Stress-Einkaufen und ungeduldig „Kassa“ schreien gewohnt, wenn´s denn mal ein bisschen länger dauert. Aber eigentlich habe ich es innerhalb kürzester Zeit schätzen gelernt, mich beim Einkaufen nicht mehr so stressen zu müssen.

Dennoch gibt es auch ganz praktische Hilfsmittel, um das Zahlen zu beschleunigen, ohne dass dies gleich in Stress ausartet. Wer ist eigentlich auf die blöde Idee gekommen, die Ablagen nach der Kasse abzuschaffen, so dass auf der einen Seite noch eingeräumt werden kann, während auf der andern Seite bereits die nächsten KundInnen dran sind? Und warum wurden sie genau diesen Supermärkten abgeschafft, wo man am schnellsten an der Kasse vorbei soll?

Abgesehen davon gibt es in Frankreichs Supermärkten durchschnittlich doppelt so viele Kassen. Das aber kostet natürlich wieder Geld (Gehalt der KassiererInnen). Geld, das hier in Österreich offenbar lieber gespart wird, so dass wir uns ordentlich stressen müssen. Da ziehe ich es doch eindeutig vor, mich mit Geld von Stress freizukaufen – und zwar nicht nur vor Weihnachten.


2 Kommentare zu Ein Wunsch, nicht nur für Weihnachten

  • Sigi sagt:

    kann deinen stress absolut nachvollziehen. Bewunderte ich früher hofer-kassiererInnen ob ihrer schnellen fingerfertigkeit bin ich heute oft vielmehr erbost wenn diese in lichtgeschwindigkeit in MEINEN Bezitz übergehenden lebensmittel über den scanner ziehen und oft auch in warp-geschwindigkeit in das wagerl schieben – bei eiern, joghurtbechern und ähnlich fragilem ist das nicht so toll weil ich hab dann die zerbrochenen eier und lecken joghurtbecher. Hier ist mir dann schon ein böses wort ausgekommen und ich habe gesagt das solle unterlassen werden, weil ich mir die eierspeise erst gerne zuhause machen will und nicht bei der hofer kasse. Die kassiererin fand es nicht witzig weil im stress und deshalb spassbefreit.

    mein fazit: selbstbewußt meine geschwindigkeit einhalten – noch laufen die förderbänder an der kasse nicht durch und die kassiererInnen sind keinem takt unterworfen – noch nicht.

    lg sigi

  • Sonja sagt:

    bewundernswert sind die kassiererInnen auf alle fälle, vor allem ist genau die, die da so angenervt war, ausgesprochen sympathisch. daher an dieser stelle: „hut ab“!

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