Rechtsextremer Terror: Eine Ablenkung

Veröffentlicht am 20. November 2011

Die rechtsextremen Anschläge auf Kleinunternehmer in Deutschland haben verständlicherweise eine intensive Debatte über die Mitverantwortung von Polizei und Verfassungsschutz ausgelöst. Manche Medien stellen sich nun selbstkritisch die Frage, warum auch sie nicht schon viel früher auf die richtige Spur gekommen sind.

Im heutigen ARD-Presseclub begründete dies FAZ-Redakteur Reinhard Müller damit, dass niemand ahnen konnte, dass eine ganze rechtsextreme Gruppe dahinter steckt. Eine andere Vermutung äußerte Tagesspiegel-Redakteurin Bettina Gauß: Möglicherweise habe niemand als Alarmist dastehen wollen.

Dass der Fall eine so große Dimension angenommen hat, verdeckt die Sicht auf eine viel banalere Frage: Kann es sein, dass wirklich niemand die Möglichkeit in Erwägung gezogen hat, dass ein rassistisches Motiv hinter den Morden steckt? Schließlich hätte ja noch niemand vermuten müssen, dass möglicherweise sogar der Verfassungsschutz Beihilfe geleistet hat. Aber dass ein Motiv vollständig ausgeblendet wurde, erklärt sich damit noch nicht.

Natürlich, Gewalt gegen MigrantInnen ist nicht automatisch rassistisch oder rechtsextrem motiviert. Doch nur weil sich im einen Fall herausstellt, dass andere Motive im Spiel waren, kann das doch noch lange nicht heißen, dass dies auch im nächsten Fall und in allen weiteren zutrifft. Fast schon scheinen diese Zeilen banal. Doch wie anders lässt sich erklären, dass so viele Menschen auf dem einen Auge blind waren? Dass diese Möglichkeit nicht auch in Betracht gezogen wurde? Insofern geht nicht nur um die Frage, ob die Medien auf einem Auge blind waren. Es geht auch darum, warum die Sicht der Polizei offensichtlich viel zu wenig hinterfragt wurde. Sprich, ob die Medien ihrem eigenen Auftrag gerecht geworden sind, nämlich die vierte Macht zu sein.

Einen sehr lesenswerten Artikel dazu hat Andrea Dernbach im Tagesspiegel geschrieben. Ebenso lesenswert ist der Bericht von Claus Christian Malzahn in der Welt, in dem die Angehörigen eines Mordopfers zu Wort kommen – eine Perspektive, die über den ganzen Spekulationen über TäterInnen und UnterstützerInnen für den Terror leider allzu schnell in den Hintergrund gerückt ist.

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