Jan 24
Gerhard Dörfler ist wirklich ein armer Mensch. Da geht erst die Sonne unter, dann erlauben sich zwei so Scherzbolde aus Wien auch noch Witze über den Lebensmenschen und jetzt darf er nicht einmal mehr einen Scherz reißen. Es ist wirklich weit gekommen in diesem Land! Versteht denn hier niemand, dass er wirklich nur ein ehrlicher und treuer Mann ist, der seinem Vorgänger gerecht werden will?
Gelungen ist es ihm ja, das mit dem gerecht werden. Denn auch Jörg Haider hat es immer schon verstanden, Kritik mit Ausweichen zu begegnen: Alles falsch verstanden, man wird ja wohl noch… – und wenn gar nix mehr hilft, nimmt man eben das “Argument”, Kärnten sei nun einmal anders und “ihr da draußen sollt nicht so groß reden, denn ihr versteht uns sowieso nicht”…
Aber nun im ernst, die vergangene Woche zeigte einmal mehr, was in diesem Land schief läuft: Erst kam der “Witz”, dann die Opfer-/Heldentheorien des dritten Nationalratspräsidenten Michael Graf und der verurteilten BZÖlerin Susanne Winter. Und was passiert? Viel zu wenig! Alle drei bleiben, wo sie sind, und in ihren Funktionen weiter rumschwadronieren, einige PolitikerInnen regen sich zwar auf, aber es wirkt bei den meisten (große Ausnahme sind die Grünen) eher wie eine Pflichtübung denn wie eine ernsthafte politische Auseinandersetzung. Wie Alexandra Föderl-Schmidt im STANDARD ganz richtig festgestellt hat: Politiker können in diesem Lande alles sagen, treiben – und bleiben.
Das ist zwar nicht unbedingt etwas Neues, das Neue daran ist aber sehr wohl, dass die Banalitätsgrenze noch weiter sinkt.
Jan 09
So, so, Reinhard Gaugg will nun also BZÖ-Chef werden. Der Mann, der so beherzt das Wort Nazi buchstabierte und alkoholisiert Auto fuhr (nicht untypisch für Österreich, dass erst nach letzterem Fehltritt seine politische Karriere ein Ende nahm). Dumm nur, dass ihn das BZÖ nicht haben will und er bei ihnen noch nicht mal Mitglied zu sein scheint.
Jan 08
Es gibt Bücher, die einen fangen, die einen so weit fangen, dass man tatsächlich nicht mehr wirklich mitbekommt, was um eineN herum passiert, man es irgendwie zwar registriert, aber nicht so wirklich realisiert. Ich liebe es in Büchern zu versinken. Gerade jetzt ist es mir wieder passiert. Und zwar, als ich Stieg Larsson las bzw. vielmehr auch jetzt, wo ich ihn lese.
Inzwischen bin ich beim dritten Band angelangt – und ich habe das Gefühl mitten in einem Action-Thriller zu sein, Seite für Seite wird verschlungen, keine davon kann schnell genug aufgesogen werden. Ich fühle mich, als wäre ich in Dumbledore´s pensive gefallen, ich tauche ein in diese Welt und lebe den Krimi mit.
Ich muss ja zugeben, dass ich beim ersten Band schon fast w.o. gegeben hätte. Aber zwei Freunde hatten mir unbedingt zu diesem Buch geraten, einer davon hatte es mir gar zum Geburtstag geschenkt. Beide beschworen mich, nur ja nicht aufzugeben und nach dem ersten unbedingt den zweiten und dritten Band auf einmal zu lesen. Es hat sich ausgezahlt, denn der erste Band kriegt in der Mitte auf einmal einen Drive, dem nur schwer zu widerstehen ist – und der im zweiten und dritten Band fast noch an Geschwindigkeit zunimmt. Jedem/-r zu empfehlen, der/die Lust darauf hat, in Romane so reinzufallen wie eben in Dumbledore´s pensive.
Fotocredit: http://i.mugglenet.com/
Jan 05
Einen wirklich sehr tollen Kommentar zum Krieg Israels gegen die Hamas hat Daniel Barenboim, der Dirigent des diesjährigen Neujahrskonzerts, der sich mit seinem West-Eastern Divan Orchestra für Versöhnung im Nahen Osten einsetzt, geschrieben. Zu lesen beim Guardian.
Zu denken gibt ein Artikel im Tagesspiegel über die Probleme der Berichterstattung über Kriege.
Jan 02
Völlig einseitig sind die Aussagen von Anas Schakfeh, dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs, im Interview mit dem STANDARD. Während er auf der einen Seite das Vorgehen Israels im Gaza-Streifen verurteilt, will ihm absolut kein Wort der Verurteilung der Hamas über die Lippen kommen.
Auf den Hinweis der Redakteurin, seine Argumentation diene manchen in Europa als Rechtfertigung für antisemitische Übergriffe, windet er sich mit dem Argument “Wir sagen klar, dass wir von hier aus keine Nahost-Politik betreiben” vermeintlich aus der Affäre. Vermeintlich, denn er betreibt Nahost-Politik, und zwar während des gesamten Interviews. Allerdings in einer völlig einseitigen Form.
Dazu kommen verharmlosende Aussagen wie seine Behauptung, die “primitiven” Raketen der Hamas würden nur “ein Loch in der Wand” erzeugen Denn auch wenn manche vielleicht tatsächlich primitiv sind, so können sie auch töten – und haben dies auch getan. Völlig falsch ist seine Behauptung, im Mittleren Osten kenne man keinen Antisemitismus.
Vom Präsidenten der islamischen Religionsgemeinschaft solche Worte zu lesen, ist enttäuschend. Denn damit bekräftigt er einseitige Positionen gegen Israel, statt dass er sich an die Kritik am überzogenen Vorgehen Israels hält. Seine Positionierung wäre nur glaubwürdig, würde er eine ähnlich kritische Haltung zur anderen Konfliktpartei einnehmen. Leider scheint es ihm wichtiger zu sein Popularitätspunkte zu sammeln, als eine ernsthafte Auseinandersetzung über den Nahost-Konflikt zu führen.