“Nicht nur eine Bande von Verbrechern”

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Soziologe Hugues Lagrange über die neue Dimension der Unruhen und die anhaltenden Probleme in den Banlieues. (Ein Interview für derStandard.at)


Zwei Jahre nach den Unruhen in den französischen Vorstädten brannten Anfang dieser Woche wieder Autos. Anders als damals aber richtete sich die Aggression der Randalierer nicht nur auf Dinge, sondern auch auf Menschen, ja es wurde gar mit scharfer Munition geschossen. Im Interview mit derStandard.at zeigt sich der Soziologe Hugues Lagrange erstaunt, dass nicht nur Jugendliche, sondern auch deren Eltern an den Unruhen teilnahmen. Dies deute darauf hin, dass sich hier nicht nur die Wut der Jugendlichen entlade, sondern dass es in den Banlieues nach wie vor viele Probleme gibt. Das Gespräch führte Sonja Fercher.

derStandard.at: Es scheint, als wäre in Frankreich niemand so recht überrascht über diesen neuerlichen Ausbruch der Gewalt. Auch Sie nicht?

Hugues Lagrange: Alle Beobachter sind sich einig, dass das wenig überraschend ist, aber dass dennoch eine neue Dimension erreicht wurde. Noch ist eine Analyse schwierig, aber viele der Probleme sind nach wie vor ungelöst.

Nach wie vor herrscht in diesen Vierteln das Gefühl vor, Diskriminierungen ausgesetzt zu sein und in einem Ghetto isoliert zu werden. Zudem gibt es enorme Spannungen zwischen den Jugendlichen und der Polizei. Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund haben große Ressentiments, weil sie ständig Kontrollen über sich ergehen lassen müssen. In einem Kontext wie diesem, geht es wohl darum, Revanche für die täglich erlittenen Erniedrigungen zu nehmen.

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“Unruhen traumatisieren Frankreich mehr als jede Frage um den Islam”

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Politikwissenschaftlerin Nikola Tietze über Laizismus in Frankreich und warum dieser Integrations-Konflikte verschärfen kann. (Ein Interview für derStandard.at)


Frankreich ist das europäische Land, in dem die meisten Muslime leben. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn die Religionszugehörigkeit der Bürger zu erheben, würde den laizistischen Prinzipien widersprechen, die Grundlage des französischen Staates sind. Im Interview mit derStandard.at schildert Nikola Tietze vom Hamburger Institut für Sozialforschung, warum die Stadtunruhen im Herbst 2005 etwas mit Laizismus und gebrochenen Versprechen zu tun hatten. Das Gespräch führte Sonja Fercher.

derStandard.at: In Österreich ist der Islam in den letzten Jahren zu einem zentralen Thema der Integrationsdebatten geworden, welche Rolle spielt er in Frankreich?

Nikola Tietze: Auch in Frankreich wird immer stärker auf die religiösen oder kulturellen Aspekte verwiesen. Vor allem seit 90er Jahren werden Zuwanderer verstärkt als Muslime wahrgenommen und nicht mehr als nordafrikanische Einwanderer.

Das hatte sicher viel damit zu tun, dass der Islam in der internationalen Politik zu einer entscheidenden Komponente geworden ist. Der algerische Bürgerkrieg und die damit verbundenen Attentate in den 90er Jahren in Frankreich haben klarerweise dazu beigetragen, dass man auch die algerischen Einwanderer und ihre Kinder mehr durch die islamische Brille wahrgenommen hat. … weiterlesen »

“Italiener waren die Araber des 19. Jahrhunderts”

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Migrationshistorikerin Blanc-Chaléard über die erste große Massenzuwanderung nach Frankreich und die Probleme. (Ein Interview für derStandard.at)


Die Italiener stellten die erste proletarische Massenzuwanderung Frankreichs dar. Sie setzte Ende des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der industriellen Revolution ein. Bis heute sind sie die größte Gruppe von MigrantInnen, die sich auf Dauer niedergelassen haben und vollständig in der französischen Gesellschaft aufgegangen sind. Das war allerdings nicht immer so. Im Interview mit derStandard.at erklärt die Migrationshistorikerin Marie-Claude Blanc-Chaléard, mit welchen Problemen die Italiener konfrontiert waren. Ihrer Ansicht nach wurde die Assimilierung von ihnen sogar stärker gefordert als von den heutigen Zuwanderern. Die Fragen stellte Sonja Fercher.

derStandard.at: Sie haben die Situation italienischer Migranten in Frankreich untersucht. Ähneln eigentlich die Debatten von damals jenen von heute, sprich wurde damals auch schon deren Integration oder gar Assimilierung gefordert?

Marie-Claude Blanc-Chaléard: Sie wurde von den Italienern sogar weitaus stärker gefordert als von den Migranten von heute. Aber es war eben eine andere Zeit, denn die kulturelle Identität wurde früher anders verstanden als heute. Außerdem kamen die Migranten großteils aus ländlichen Regionen und sahen in Frankreich ein modernes Land, dessen “Zivilisation” anzunehmen etwas Positives war. … weiterlesen »

Herausgefordert

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…von der Gerlinde und weil auch ich so gut drauf bin :-) :

“Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
inmitten Bachgeriesel
Wisst Ihr weshalb?

Das Mondkalb verriet es mir im Stillen.
Das raffinierte Tier tat´s um des Reimes willen.”

Christian Morgenstern (1871-1914)

Trennung von derStandard.at

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Seit gestern ist es offiziell: Im Januar verlasse ich derStandard.at und begebe mich in ein neues Wagnis. Sechs Jahre war ich immerhin dabei, daher ist die Entscheidung auch nicht einfach gefallen. Aber als sie dann getroffen war, war es auch gut so. Nun bin ich neugierig, was da noch so auf mich zukommt, bin aber zuversichtlich. Am meisten freue ich mich aber auf die zwei Wochen Resturlaub, denn meine Batterien wollen wieder aufgetankt werden, damit ich mich dann mit voller Energie wieder in neue Abenteuer stürzen kann.

Sechs Jahre, eine ziemlich lange Zeit, in der ich viele spannende Geschichten machen konnte, sehr viel gelernt habe und die nun zu einem Abschluss kommt. Zeit natürlich, um zu rekapitulieren, um Dinge Revue passieren zu lassen. Ach ja, es waren schon aufregende Jahre. Schließlich hätte ich mir nie und nimmer gedacht, dass ich mal bei einer Online-Redaktion landen würde. Ich und das Internet? Vor sechs Jahren war das für mich noch kaum vorstellbar, und weil unsere Arbeit damals noch hauptsächlich darin bestand, Agenturmeldungen und Zeitungsartikel zu kopieren, habe ich auch schon nach wenigen Monaten begonnen, meine ersten Bewerbungen zu schreiben.

Aber dann kam doch alles anders, ich konnte auf einmal schreiben, wir begannen unsere ersten Gehversuche als “echte” JournalistInnen – genau das, worauf ich die ganzen Jahre hingearbeitet habe. Es war ein langer Kampf, bis wir endlich da waren, wo wir heute sind und ich freue mich und bin auch ein bisschen stolz darauf, dazu beigetragen zu haben, dass derStandard.at sich heute durch so viele Eigengeschichten ein eigenes Profil erarbeitet hat. Ach, hätte man mir damals gesagt, dass ich einmal als Korrespondentin aus Frankreich berichten würde, ich hätte es nicht geglaubt. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich sogar einen Präsidenten interviewen würde (wenn auch vom nicht anerkannten Staat Nordzypern), ich hätte es nicht geglaubt. Hätte man mir gesagt, ich würde eines Tages mit Dany Cohn-Bendit im Fernsehen diskutieren, ich hätte laut gelacht.

Aber all das ist passiert – und noch viel mehr. Dennoch war es für mich Zeit zu neuen Ufern aufzubrechen. Wünscht mir Glück, das kann ich gut gebrauchen. Nun freue ich mich auf die Geschichten, die ich noch bis Januar machen kann – und auf den kleinen Nikolas, denn den gehe ich jetzt besuchen.


Probeabo Süddeutsche Zeitung

Ein kleines bisschen Horrorshow

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Das nennt man wohl perfekte Rationalisierung am Arbeitsplatz:

Entworfen hat das Teil, das sich im übrigen “Pimped Out John” nennt, eine Installationsfirma aus Ohio, den Werbespruch finde ich großartig:

“Durchschnittlich verbringen Menschen 11.862 Stunden auf dem Klo, umgerechnet ist das ein Jahr, vier Monate und fünf Tage. Daher sollte die Toilette der tollste Platz in Ihrem Zuhause sein.”

Die Features: IPod inklusive Lautsprecher, eine Xbox, einen Kühlschrank gefüllt mit Getränken und Snacks und einen Heimtrainer. Also, mir wären die Einzelteile lieber, denn ich lese noch nicht mal am Klo. Was soll ich dann da mit einem Computer oder gar einem Fitnessgerät? :-)

“Breite Mehrheit junger Muslime vertritt moderne Geschlechterrollen”

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Studienautor Korchide über die Bedeutung von Religion bei muslimischen Jugendlichen der zweiten Generation in Österreich. (Ein Interview für derStandard.at)


Der Religionswissenschafter Mouhanad Korchide befragte muslimische Jugendliche in Österreich zur Bedeutung von Religion. Von den Ergebnissen war er teilweise “selbst überrascht”: So besteht beispielsweise kein direkter Zusammenhang zwischen Religion und patriarchalen Vorstellungen. Auch andere Vorurteile gegen Muslime konnten weitgehend widerlegt werden: 90 Prozent der befragten Jugendlichen stehen der österreichischen Gesellschaft weder ablehnend gegenüber noch hängen sie radikalen Vorstellungen an. Die Fragen stellte Sonja Fercher.

derStandard.at: Verfolgt man die Debatte über den Islam, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Mehrheit der Muslime Anhänger einer strengen Auslegung des Koran sind, ja gar radikalen Thesen anhängen. Wie groß ist ihr Anteil unter den von Ihnen befragten Jugendlichen?

Korchide: Der Anteil war verschwindend klein. Wenn man sich zum Beispiel die extremste Form ansieht, also dass selbst Gewalt als legitimes Mittel angesehen wird, so befürwortet noch nicht einmal ein Prozent diese Aussage.

Es gibt gewisse Tendenzen zu einer Gewaltbejahung. Allerdings gibt es einen wesentlichen Unterschied, ob jemand bereit ist, selbst Gewalt anzuwenden oder aber Verständnis für den Einsatz von Gewalt aufbringt, aber sagt, er selbst würde dies nie tun.

Unter dieser Gruppe waren noch dazu viele Muslime, die den Islam nicht praktizieren und für die Religion überhaupt keine Bedeutung hat. Das ist Ausdruck einer gewissen Frustration, auch einer gewissen Schadenfreude.
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Verfahren gegen Chirac: Endlich!

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Mehr kann man dazu fast nicht sagen, immerhin zieht sich das Ganze schon seit Jahren. Als ich 2001 in Paris war, konnte ich viel davon live mit erleben und ich erinnere mich noch, dass ich schlichtweg fassungslos war, als sich Jacques Chirac, damals noch Präsident, der Einvernahme mit den Worten “Je ne suis pas un citoyen comme les autres” (”Ich bin kein Bürger wie alle anderen”) entzog.

Aber nun ist er ja wieder ein normaler Bürger und es ist höchste Zeit, dass die Korruptionsvorwürfe gegen ihn untersucht werden. Wie viel sich davon überhaupt noch aufklären lässt, wird sich zeigen. Aber immerhin steht jetzt der Justiz nichts mehr im Wege und das ist auch gut so.


Now you have the shit!

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Die UserInnen von derStandard.at sind manchmal wirklich großartig, leider habe ich zu oft mit Nahostkonflikt-Foren zu tun, da vergeht einem das Lachen weitgehend. Umso mehr freu ich mich über Postings wie jenes von coober pedy zu den verschlampten Daten in Großbritannien:

Dear Alistair,

I am sure, now you regret that you dont have given Blaulicht-Hubsi from Austria a job as an Austria-Data-Äkschpert. Now you have the shit! If you you need my consultations don’t hesitate and contact me. Austria so small- Hubsi so big

Yours ever

Hubsi G.

Auch nicht schlecht übersetzt hat “Observer_ Austria”:

This is the follow, while they don’t give me a job. ätsch 

Yours
Hubert G. (from the too small country)!

Kater im Karton

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Eigentlich ist Nino ja ein leidenschaftlicher Sackerl-Fan, in erster Linie Papiersackerln. Mindestens genauso viel Spaß machen ihm Kartons, und zwar in jeder Größe. Jetzt hat er es in den bislang kleinsten Karton geschafft, mehrere Tage hinweg schob er das Ding, in dem mein neu erworbener Handstaubsauger drinnen war, mit der Schnauze quer durch die Wohnung ohne es hinein zu schaffen.

Aber es ließ ihm keine Ruhe – et voilà, jetzt hat es endlich geklappt ;-) :

Der Karton aber war eindeutig zu klein:

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