Davongelaufener Sarkozy

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Da war er auf einmal weg: Präsident Nicolas Sarkozy ist ja eigentlich jemand, der die Medien mag. Zumindest wenn sie ihm gut gewogen sind. In letzter Zeit ist er mit ihnen ein bisschen auf Kriegsfuß, aber es ist ja auch blöde, wenn einem auf einmal die Frau davon geht. Noch viel blöder ist es dann, wenn einen dann auch noch ständig die JournalistInnen mit blöden Fragen dazu quälen.

Nun war er in den USA. Ein Land, das er bewundert, weshalb man ihn auch “L´Américain” nennt. Blöd bloß, dass die Amis beim Thema Privatsphäre noch weniger Skrupel haben als die FranzösInnen. In der Sendung “60 Minutes” auf CBS auf dieses Thema angesprochen, beschimpfte er zuerst seinen Pressesprecher als “Imbécile”, was so viel wie “Trottel” heißt, brach das Interview abrupt ab und verließ empört den Raum – eine staunende Lesley Stahl hinterlassend. Er ist ein schlechter Verlierer, der Mann…



Wieder zurück

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Schon den dritten Tag bin ich nun wieder in Wien und gleich mitten im grauen und regnerischen Herbst gelandet. Aber als Herbstkind lasse ich mich davon nicht beeindrucken, die Zeitumstellung habe ich gleich genutzt, um mir eine Stunde mehr schlaf zu gönnen – und trotzdem “früh” aus den Federn zu kriechen. Die Zeit brauchte ich aber auch, denn ab zwölf heißt es wieder werken – und der Blog will ja schließlich auch wieder befüllt werden.

Wie schon bei der letzten Frankreich-Reise habe ich beschlossen zu schummeln und die Beiträge zurückzudatieren. Geschrieben habe ich das meiste bereits in Frankreich selbst. Gut, dass ich ein alter Fan von Kugelschreiber und Papier bin :-) . Wer´s chronologisch will: Einfach runterscrollen.

Unglaubwürdig, weil hatschert

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Hat jemand was von Verfassung gesagt? So wird man der EU nicht jene Gaubwürdigkeit zurückgeben können, die sie aber so bitter nötig hätte. (Ein Kommentar für derStandard.at)


Es habe sich nicht um eine Verfassung gehandelt, sondern um einen Vertrag. Und im Übrigen sei das Dokument immer als Verfassungsvertrag bezeichnet worden und nicht als Verfassung. Deshalb sei es auch nicht nötig, dass der nun akkordierte “Grundlagenvertrag” einer Volksbefragung unterzogen werden müsse.
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Europäische Parlamentssitzung und ein Interview

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Neben der TV-Debatte genoss ich es, wieder einmal in einem so internationalen Umfeld zu sein, mal Englisch, mal Französisch, mal Tschechisch, mal Türkisch zu hören. Das Europäische Parlament ist definitiv ein Ort, an dem ich gerne arbeiten würde, am liebsten natürlich als Korrespondentin ;-) .

Allein schon die Debatten im Plenarsaal waren ein Erlebnis, auch wenn diese vermutlich nicht immer so interessant sind, wie wenn zum Beispiel Serbien Thema ist. Dennoch, ich mag das. Ebenso liebe ich das Umfeld im Presseraum, wenn an einem Platz die MitarbeiterInnen von BBC-Radio die von der EU-Kommission vorgestellte Blue Card zu interpretieren versuchen, wenn an anderer Stelle ein spanisches Radio einen Beitrag abliefert und dann wieder luxemburgische Print-JournalistInnen plaudern, da sie offenbar ihre Arbeit bereits erledigt haben. Ja, und mittendrin ich ;-) .

Leider klappte mein geplantes Interview mit dem zypriotischen Abgeordneten Ioannis Kasoulides nicht, denn zwar hatte mir der Mitarbeiter einen Termin genannt, nicht aber einen Ort, und im Büro war leider auch niemand zu erreichen. Ich gebe zu, ich war schon recht sauer! Immerhin ist Kasoulides einer der Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Februar, außerdem gehört er der konservativen DISY an, von denen ich bislang noch niemanden zu einem Interview hatte. Aber gut, ich habe getan, was ich konnte, vermutlich war er wegen der Debatte über den Türkei-Bericht zu sehr im Stress.

Dafür aber habe ich mir eine ausgesprochen spannende Pressekonferenz der italienischen Abgeordneten Roberta Angelilli zur Lage von minderjährigen Roma in Europa. Außerdem hatte ich ein sehr interessantes Interview mit dem slowenischen Abgeordneten Jelko Kacin, der Berichterstatter des Europäischen Parlaments für Serbien ist. Ein insgesamt sehr gelungener Straßburg-Aufenthalt, finde ich.

Spaßige Debatte – und Cohn-Bendit mit dabei

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Nicht der Besuch in Straßburg allein war eine Premiere für mich. Absolut nervös war ich vor allem, weil ich zum ersten Mal an einer TV-Debatte teilnehmen sollte, eben dem Europäischen Quartett, dass die österreichische Abgeordnete Karin Resetarits auf TW1 moderiert. Ja, und mit mir am Podium saß kein geringerer als Daniel Cohn-Bendit

Irgendwie freute ich mich schon sehr darauf, denn TV-Diskussionen sind definitiv meine Leidenschaft (wenn auch mehr jene im deutschen und französischen Fernsehen): Ob der Presseclub, Anne Will, Berlin Mitte mit Maybrit Illner, Mots croisés oder A vous de juger – ich liebe sie alle ;-) .

Weil ich außerdem sowieso ständig den Fernseher mal anschreie, mal mit meinen Argumenten beglücke, hege ich insgeheim schon länger den Wunsch, irgendwann mal auch bei sowas mitzumachen. Umso mehr freute ich mich auf die Sendung, die es mir ermöglichte, sowas mal auszuprobieren… Und ich muss gestehen: Es hat Spaß gemacht!

Nichts desto weniger war ich unheimlich nervös, und um die Nervosität zu bekämpfen, ackerte ich mich noch durch allerlei Papiere und Artikel durch. Thema: Sollen Grüne und FDP in Deutschland bei der nächsten Bundestagswahl als Wahlbündnis antreten? Ein schwieriges Thema, finde ich. Spannend, aber schwierig. Denn ich kann mir kaum vorstellen, wie diese beiden Parteien ein gemeinsames Wahlprogramm zustande bringen sollen. Allein schon in der Wirtschafts- und Finanzpolitik, und schon gar in der Frage der Atomkraftwerke sehe ich keinen gemeinsamen Nenner.

Umgekehrt aber zeigte die letzte Bundestagswahl ja mit der Debatte um die Jamaika-Koalition (denn keines der beiden Lager – Rot-Grün oder SPD-FDP und Union und FDP – hatte alleine eine Mehrheit), dass das Szenario nicht ganz unrealistisch ist, dass Grüne und FDP gemeinsam in eine Koalition eintreten. Spätestens bei etwaigen Koalitionsverhandlungen würde sich also die Frage stellen, wo sich Kompromisse finden ließen. Ja, und warum dann nicht schon vor der Wahl versuchen, solche zu finden, schließlich könnten beide Parteien gemeinsam stärker gegenüber einer der beiden Volksparteien auftreten.

Nichts desto trotz blieb ich skeptisch. Vor allem schwingt in der Debatte immer diese Sehnsucht nach “stabilen Mehrheiten” mit, und ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Ist es nicht das Wesen einer Demokratie, dass nach Kompromissen gerungen wird? Ja, ich gebe zu, viele davon nerven auch mich, viele davon kritisiere ich auch lautstark. Bloß halte ich trotzdem an meiner Überzeugung fest, dass es im Sinne des Pluralismus gut ist, wenn es verschiedene Parteien gibt. Immerhin vertreten diese durchaus unterschiedliche Interessen von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.

Es ist meiner Ansicht nach eine dumme Verkürzung, dass ein Staat nur dann gut funktioniert, wenn es keinen Streit in einer Koalition gibt. Nein, dieser gehört dazu, es ist sogar gut, dass es Auseinandersetzungen gibt, denn dann kommen auch verschiedene Argumente auf den Tisch – und genau das ist für die Meinungsbildung außerordentlich wichtig. Dass hier oft genug Populismus betrieben wird, ist mir durchaus bewusst. Dennoch denke ich, dass man sich dem stellen muss, sich damit auseinandersetzen. Das ist unangenehm, auch mir, aber er geht nicht weg, indem man es zu ignorieren versucht.

Vermutlich ist es genau diese Einstellung, warum ich so ein großer Fan von Diskussionssendungen bin, denn ich liebe diese verbale Auseinandersetzung. Auch wenn sie mich manchmal in den Wahnsinn treibt, aber trotzdem bin ich immer froh, die verschiedenen Meinungen gehört zu haben. Nur dann nämlich kann auch ich meine Positionen schärfen.

Aber zurück zur Sendung: Die Diskussion war auf alle Fälle sehr spannend für mich, auch wenn ich bestärkt in meiner Überzeugung rausgegangen bin, dass eine rot-gelbe Wahlplattform nur ein nettes Gedankenexperiment ist und wie Cohn-Bendit meinte: Bei etwaigen Koalitionsverhandlungen wird dies auf alle Fälle aktuell werden.

Im Eiltempo nach Strasbourg

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Ein Seufzer der Erleichterung: Plus de grève, der Fahrt nach Strasbourg stand also nichts mehr im Wege. Oder fast: Ich hatte alles ausgedruckt, was ich auch nur irgendwie hätte brauchen können, auch die Reservierungsbestätigung der Zugfahrten. Bloß hatte ich übersehen, dass ich mir auch gleich die Zugtickets ausdrucken hätte müssen. Zut alors!

Denn zu allem Überdruss konnte ich nicht in das Reservierungssystem der SNCF einsteigen, das nämlich befand sich im Streik. Also blieb mir nichts anderes übrig als faire la queue in der Boutique SNCF – und diese Schlange war lang… Es war ein Herzschlagfinale, aber ich schaffte es gerade noch rechtzeitig in den TGV und düste nach Strasbourg.


Tati Barbès Rochechouart

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Das Geschäft Tati ist großartig, oft genug habe ich in der Filiale am place de la République gestöbert. Man muss nur tief genug graben und genug Geduld mitbringen, dann findet man immer wieder was. Nicht nur Kosmetika, sondern hin und wieder auch ein nettes Kleidungsstück. Hier die Filiale Barbès Rochechouart am Fuße des Montmartre:

Abschied nicht ohne den Montmartre

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Am Montag hieß es dann Abschied nehmen – aber nicht ohne noch einmal dem Montmartre einen Besuch abzustatten:

Scheidung im Hause Sarkozy

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Darf sich die Öffentlichkeit nun für die Scheidung von Nicolas und Cécilia interessieren oder nicht? Diese Frage beschäftigte die frazösischen Medien – und per Zufall stolperte ich in die Sendung “Le duel” auf France 3. Schwierig zu beantworten bei einem Präsidenten wie Sarkozy.

Ich persönlich schloss mich dem Chefredakteur von Charlie Hebdo, Philipp Val, an: Wenn es gut geht, instrumentalisiert Sarkozy das Privatleben, wenn nicht, beruft er sich auf den Schutz der Privatsphäre – das passt einfach nicht zusammen.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass diese Inszenierung des Privatlebens von PolitikerInnen mehr als überflüssig ist. Natürlich gibt es eine gewisse Neugier, natürlich möchte auch ich gerne wissen, wie und mit wem PolitikerInnen leben. Ich behaupte sogar, wer dies leugnet, lügt sich selbst an. Bloß was einem da in den vergangenen Jahren an Homestories um die Ohren geschmissen wird, ist einfach nur überflüssig, seien es die Grassovskys, wie meine tiroler Großtante zu sagen pflegt, in Österreich oder die Sarkozys in allen Lebenslagen in Frankreich. Verantwortlich dafür sind natürlich sowohl Medien als auch PolitikerInnen, aber nicht zuletzt auch die KonsumentInnen. Mein Mitleid für Sarkozy bewegt sich in jedem Fall gegen den Nullpunkt.

Einen spannenden Aspekt brachte Kim Willsher, die Paris-Korrespondentin des Sunday Telegraph, ein, die von den französischen Gästen quasi stellvertretend für die britischen Tabloids an den Pranger gestellt wurde. Denn auf der Insel sind die Gesetze zum Schutz der Privatsphäre von Prominenten sehr locker. Eine Tatsache, die sie keineswegs zu verteidigen dachte. Allerdings merkte sie an, dass sie sich von der französischen Presse etwas mehr Respektlosigkeit wünscht – nicht dem Privatleben gegenüber, sondern der Politik.

Ja, wie wahr. Viele Dinge werden in Frankreich erstaunlich wenig thematisiert – und die übrigen TeilnehmerInnen pfichteten ihr bei, dass man sich bei der angelsächsischen Presse in Sachen Kritikfähigkeit und Aufdeckerjournalismus einiges abschneiden kann.

Ein Thema erlebte ich dabei mit, nämlich als Ex-Präsident Jacques Chirac im Jahr 2001 erklärte, er sei kein Bürger wie alle anderen, um sich mit diesem Argument einer peinlichen Befragung durch die Justiz in Sachen Korruptionsvorwürfen während seiner Zeit als Bürgermeister von Paris zu entziehen. Ich musste zwei Mal hinhören, um zu kapieren, dass er das wirklich ernst meint… Pas un citoyen comme les autres, und das im Land von liberté, égalité, fraternité, von Montesquieu und der Revolution.

Ich konnte es kaum fassen, bloß blieb der große Aufschrei, den ich erwartet hätte, aus. Ich war fassungslos, denn während meiner sechs Monate, die ich in diesem Jahr in Paris verbracht hatte, verging kaum ein Tag, an dem nicht neue Vorwürfe erhoben, an dem nicht neue peinliche Fotos von Chirac im Bademantel in irgendwelchen Urlaubsparadiesen auftauchten. Die Konsequenz? Nichts… Ja, noch nicht einmal jetzt, wo er wieder Bürger und nicht mehr Sonderbürger ist, scheint sich was zu bewegen. Mich täte das schon interessieren und ich hoffe, dass dies irgendwann aufgeklärt wird.

Was ich hingegen immer wieder aufs Neue großartig an Frankreich finde ist die Leidenschaft für Debatten: Stunde über Stunde können sich verschiedene Menschen in den unterschiedlichen Radio- oder Fernsehprogrammen eins in die Goschn hauen. Vivent les lumières! Es lebe die Aufklärung und die verbale Auseinandersetzung!

Aufgeschnappt in der rue Ménilmontant

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