
In Pouzauges, wo Sophie und ich am Sonntag einen Spaziergang gemacht haben – inklusive Riesengewitter, zum Glück saßen wir da schon im Auto…


In Pouzauges, wo Sophie und ich am Sonntag einen Spaziergang gemacht haben – inklusive Riesengewitter, zum Glück saßen wir da schon im Auto…

Am Samstag machten Sophie und ich uns auf den Weg an die Vendée-Küste. Es war ein kleines (sehr feines) Déjà-Vu, denn wir waren schon einmal gemeinsam hier. Seufz, die Gegend ist wirklich wunderhübsch. Wir brachen auf zu einem netten Spaziergang am Strand und merkten uns dieses Mal auch die Nummer des Weges, wo wir das Auto geparkt hatten.
Beim letzten Mal nämlich hatten wir zwei Schusseln das nämlich vergessen, so dass wir glatt fast nicht wieder zurück gefunden hätten
. Na ja, aber gesund war es allemal und irgendwann haben wir den Campingplatz eh wieder gefunden, auf dem wir geschlafen haben…
Fotos von einem unserer Ausflüge ans Meer aus dem Jahr 1999:


Dieses Mal konnten wir leider nicht dort bleiben, sondern mussten wieder heimfahren. Nicht aber ohne uns noch mit Fisch und Meeresfrüchten zu versorgen. So habe ich dann auch zum ersten Mal Rochen gegessen, lecker!
Gemeinsam mit Céline und ihrer Tochter Jeanne machten Sophie und ich einen langen Spaziergang durch die bäuerliche Landschaft der Vendée. Ziel: Der Biobauernhof von Célines Freund Antoine. Für Jeanne sowieso ein Paradies, kaum dort angekommen rief sie nach den “meuhmeuhs”, wie Kühe auf französischer Kindersprache heißen.
Aber auch wir genossen es, am meisten natürlich ich, das Stadtkind
Wobei, ein paar Dinge habe ich aus meinen Urlauben als Kind am Weißensee noch in Erinnerung. Gerne denke ich noch daran, dass wir früher “zan Hofmonn Milhh-Holen gongen sind”: Bei meiner Großtante bekamen wir ganz frische Milch von den eigenen Kühen. Mhhh…, das ist sowas von gut!
Als Céline mich so schwärmen hörte, entschied sie kurzerhand, dass ich unbedingt so eine frische Milch bekommen muss. Am Abend brachte sie dann einen Topf frisch gemolkener und abgekochter Milch mit, ganz echt bio! Ich war sehr neugierig. Zuglich hatte ich ein wenig Sorge, dass sie mir vielleicht gar nicht mehr schmecken würde, schließlich ist es schon verdammt lange her, dass wir unsere Milch von der “Tant Nanni” bekamen und so ne Biomilch schmeckt natürlich sehr intensiv. Céline selbst meinte, dass sie diese Milch inzwischen nicht mehr trinken kann. Wäre ja blöd, wenn sie mir extra so eine Milch mitbringt und dann schmeckt sie mir nicht…
Aber nichts von alldem, ganz im Gegenteil: Ich bin nun mal eine Milch-Liebhaberin und war begeistert, wie gut so eine frische Milch vom Bauernhof schmeckt!!! Es hat schon was, auf dem Land zu leben und nicht nur so Supermarkt-Sachen essen zu können, sondern eben natürliche Produkte, die noch nach dem schmecken, was sie sind. Ein Hoch auf Antoines Milch und noch viel mehr auf seinen Bauernhof, mit dem er hoffentlich noch viel Erfolg haben wird!
So großartig Paris bis dahin auch war, ich freute mich schon riesig, meine Freundin Sophie zu treffen. Treffpunkt: Bahnhof Angers, jene Stadt, in der unsere Freundinnenschaft begonnen hatte. Zwar wäre eine andere Stadt näher gewesen, aber wir waren uns beide einig, dass wir uns die Stadt nach so vielen Jahren einmal wieder ansehen wollten. Neun Jahre ist es her, stellten wir lachend fest, auch wenn Sophie mir anfangs nicht so recht glauben wollte.

Leider gab´s damals noch keine Digitalkameras, denn die Stadt ist wirklich schön und vor lauter Plaudern habe ich dann auch aufs Fotografieren vergessen. Aber wir hatten uns auch Einiges zu erzählen, das letzte Mal hatten wir uns vor vier Jahren gesehen, als mich Sophie und ihr Freund Pierre in Österreich besucht hatten. Damals war sie noch Studentin an der AnwältInnenschule und ich frisch bei derStandard.at, mittlerweile arbeitet sie bei einer Kanzlei als Anwältin.
In der Zwischenzeit hat Sophies frühere Mitbewohnerin Céline ein Kind bekommen, die süße Jeanne (im Bild mit Sophie), hat unsere deutsche Freundin Simone geheiratet, hat unsere französische Freundin Isa geheiratet und ist wieder geschieden und lebt in Australien – und was sonst noch so alles passiert in unserem Alter
.

Aber auch Angers hatte sich verändert. Der Campus St. Serge war niegelnagelneu, als wir dort unsere Vorlesungen besuchten. Inzwischen sind zwei neue Gebäude dazu gekommen, und auf dem brach liegendenden Gelände hinter der Uni sind die Häuser wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Auch in der Innenstadt sind natürlich ein paar neue Geschäfte an die stelle alter getreten. Die größte Veränderung hat das Einkaufszentrum “Les Halles” durchgemacht, in dem ich so einige CDs erstanden habe: Es wurde abgerissen und völlig neu gebaut. Schaut nicht schlecht aus, fanden wir beide.
Schließlich wollten wir noch einen Abstecher an den schönen Lac de Maine machen, aber leider wurden wir vom Stau eines besseren bekehrt. Und so fuhren wir stattdessen zu dem Carrefour, der gleich in der Nähe von Sophies und Célines Wohnung und von Simones und meinem Studierendenheim lag, und deckten uns mit Essen und Wein ein – vor allem Muscat, den wir so oft als Apéro getrunken haben, durfte nicht fehlen
.
Wichtigster Punkt des Tages: Mittagessen mit Alban im 10e Arrondissement bei einem Inder. “Hier leben viele Tamilen, die meisten Indischen Restaurants werden eigentlich von Tamilen betrieben”, erzählt er mir. Von ihnen wiederum würden viele den Tamil Tigers angehören. Man lernt nie aus…
“Du gehst zur Pressekonferenz von Bayrou?”, fragt er mich neugierig und ihm ist anzusehen, dass er den Zentrumsliberalen auch gerne sehen würde. Ihn hat er nämlich ausnahmsweise gewählt, sonst stimmte er immer für den sozialistischen Kandidaten. Seine Schwiegermutter sei von der UDF, begründet er seine Entscheidung. Vor allem aber ist er von der PS zutiefst enttäuscht: “Die sind immer noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen”, lautet sein Urteil. Bayrou bringe Schwung in die französische Politik.
Die Arbeit aber erlaubte es ihm dann doch nicht, mit zur Pressekonferenz zu gehen und so begab ich mich allein ins Hotel Westin. Dort war das totale Chaos ausgebrochen, denn zwar hatte die UDF in weiser Voraussicht einen großen Raum gewählt statt ihre Parteizentrale, und doch war der Ansturm noch größer als erwartet. Aber trotz der Mengen an FotografInnen und Kameraleuten ist es mir gelungen, zwei Fotos von diesem neuen Star zu schießen:


Mitten während meines Frankreich-Aufenthalts flatterte diese Mail in mein Postfach: Bernhard, einer meiner Publizistik-Erstsemestrigen-TutorInnen war über Le Blog gestolpert und hatte mich doch tatsächlich erkannt. Er lebt inzwischen in Paris und schlug ein Treffen vor: Na klar war ich da mit dabei.
Es war ein sehr netter Abend bei einem demi an der place St. Marthe und einem wunderbaren Abendessen in einem sehr feinen Weinlokal in der Nähe des Canal St. Martin. Finde ich sehr nett, dass mich das Internet wieder auf einen alten Bekannten stoßen ließ, denn zwar hatte ich schon vermutet, dass er über kurz oder lang in Paris landen wird, aber wo suchen, wenn frau keinen Kontakt mehr hat.
Lieben Gruß nach Paris, ich komme sicher wieder
Uff, das waren ein paar aufregende erste Tage in Paris. Was für eine spannende Präsidentschaftswahl! Dabei kam es dann eh so, wie es eigentlich erwartet wurde. Nur wollte sich vor allem auf linker Seite niemand darauf verlassen, dass es Ségolène Royal in den zweiten Durchgang schafft. Umso größer die Erleichterung und der Jubel bei den SozialistInnen im Parteisitz in der rue Solférino, als um 20 Uhr die ersten Hochrechnungen via Fernseher verkündet wurden.
Und mitten im Trubel: ich. Ein wirklich tolles Erlebnis. Dass mich Paris begeistert ist eigentlich keine Kunst, denn das ist schließlich meine Traumstadt. Umso mehr genieße ich die Tage, die ich hier habe – und hoffe, dass sie nicht allzu schnell vorbei gehen. Aber da ich ja für die Firma sowieso sehr viel am Computer hänge, begebe ich mich nun ins Nachtleben – oder eigentlich vielmehr Abend, denn morgen habe ich auch wieder einiges vor.
Was ich bislang erlebt habe, ist zum Teil hier nachzulesen: http://derstandard.at/?id=2845819
Jetzt nur noch eines: Paris, c´est magnifique.
Tag zwei nach dem ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl – ein freier Tag. Eigentlich wollte ich in eine Fotoausstellung, aber ich hätte vielleicht das Programm genauer lesen sollen, dann hätte ich vielleicht gesehen, dass auch die Cinémateque ihren freien Tag hatte…
Auch nicht schlimm, denn die Sonne schien so schön, dass ich gerne einen Spaziergang machte, und zwar zunächst im Parque Yitzak Rabin:



Danach ging´s auf die andere Seine-Seite, vorbei am Badeschiff,

…wieder über die Seine zu Nicolas Sarkozys Amtssitz, als er noch Finanzminister war,

…und schließlich mit der U-Bahn wieder zurück in den 20e.

Ach, wie schön ist das: Am boulevard Ménilmontant einen Kaffee trinken, das Flair genießen undw Zeitungen lesen… Und natürlich kam es wie es im Frankreich im Zeichen der Wahlen kommen musste: Ich wurde angesprochen, was ich denn vom Wahlergebnis halte… “Ach, aus Österreich? Das ist ja spannend!”, meint mein Sitznachbar.

Er ist überzeugt: “Wir werden gewinnen.” Wir, das ist die Sozialistische Partei. Die KellnerInnen sind sich dessen weniger sicher, aber er bleibt dabei. “Sarkozy hat kein Reservoir mehr, er hat schon so gute Werte, da kann er nicht mehr viel zulegen.” Ségolène aber, wie die sozialistische Kandidatin durchwegs genannt wird, die könne noch deutlich zulegen.
Er blättert die Zeitungen nach einer Landkarte durch, in der die Wahlergebnisse von Royal und Sarkozy in verschiedenen Farbtönen eingezeichnet sind, je heller, desto weniger Prozent. “Sarkozy hat in seinen Hochburgen schon unheimlich viel Prozent gewonnen, da ist fast nirgendwo eine Steigerung mehr möglich”, erklärt er mir. “Aber sehen Sie sich die Karte von Royal an, die hat wegen der verschiedenen Kandidaturen links der Linken einfach weniger als er. Aber mit den Stimmen der linken WählerInnen und der Hälfte der Bayrou-Wähler geht sich das aus.”
Mit den Worten “Guten Tag, jetzt haben wir Sarkozy!” setzt sich ein Bekannter meines Tischnachbarns zu uns dazu. “Ich wollte schon nachprüfen, wie es mit meinen Genen ausschaut, denn nach Sarkozy sind die ja an allem Schuld. Na ja, und ich habe auch ungarische Vorfahren. Aber ich glaub, mit mir ist alles ok”, scherzt er zynisch.
Mir wird es dann aber doch ein wenig zu viel, vor allem aber möchte ich nicht nur im Osten von Paris Eindrücke sammeln. Und so lasse ich mir noch einen Tipp auf den Weg mitgeben, wo ich im 16. Arrondissement, dem Sarkozy-Land in Paris, am besten hingehen könnte.
Leider war der Ausflug wenig ergiebig, zwar war das Café nett, in dem ich mich niederließ. Aber es war nicht einmal der Anflug einer Debatte über das Wahlergebnis zu hören, und noch dazu legte ich für nen simplen Salat mit Chèvre, also Ziegenkäse, heiße 13 Euro ab. Seufz, hier stimmt der Spruch: Außer Spesen nix gewesen…
Dafür aber war ich wenigstens mal an diesem Ende von Paris, das natürlich wunderschön ist – nicht umsonst zieht es die Reichen und Schönen dorthin… Aber eine Nobelgegend ist nicht meine Sache, und so bin ich dann auch wieder gerne nach Hause – ähem, ins Hotel
gefahren.
Cartoon: Le Parisien
Wahlabend in der rue Solférino, dem Sitz der Sozialistischen Partei. Hier war die Anspannung ausgesprochen groß, denn man hatte große Angst vor einem neuerlichen Debakel wie 2001, sprich eine Stichwahl ohne sozialistische Kandidatin.
Schon lange vor 20 Uhr aber machte sich Erleichterung breit, denn es kursierten die ersten Schätzungen, die Ségolène Royal im zweiten Wahlgang sahen.
“Wir haben vor ein paar Wochen schon mehr gezittert”, vertraute mir ein junger Aktivist an. Seinen letzten Informationen zufolge lag Sarkozy bei 29 Prozent, Royal bei 26, Bayrou bei 18 und Le Pen gerade mal bei 10,8 Prozent. Vor allem letzteres fand er “sehr gut”.

So langsam trafen auch die Parteigrößen ein, Royals innerparteilicher Rivale Dominique Strauss-Kahn, der ehemalige Europaminister Pierre Moscovici oder Ex-Innenminister Jean-Pierre Chévènement (Bild).
Für mich war all das besonders aufregend, habe ich mich doch in meiner Diplomarbeit andauernd mit diesen PolitikerInnen beschäftigt und sie nun live zu erleben, war schon sehr lustig…
Die Stimmung war gut und um 20 Uhr gab es dann kein Halten mehr. Fast hatte man das Gefühl, Royal sei überhaupt erste geworden, so groß ist der Jubel der Fans, der von der Straße in die Parteizentrale hinein zu hören war.
Mir aber reichte es, ich hatte das Bedürfnis, die Wahl und meine Eindrücke in aller Ruhe zu ordnen. Und so seilte ich mich ab und fuhr in eine Bar in der rue Oberkampf. Natürlich war auch dort die Wahl Gesprächsthema Nummer eins und irgendwann konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und mischte mich ins Gespräch zwischen einer Kundin und der Kellnerin ein. Sehr nett war das! Ich mag das, diese kleinen Begegnungen und Gespräche, bei denen ich wieder neue Menschen kennenlernen und neue Gedanken sammeln kann… Ein schöner Ausklang für diesen aufregenden Tag
.


