Eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft und eine größere Konfliktorientierung in der Politik: So lauten zwei Ergebnisse, zu denen Emmerich Tálos bei der Analyse von sechs Jahren Schwarz-Blau/Orange kommt. Nachlesen kann man diese in dem neu erschienenen Sammelband “Schwarz – Blau. Eine Bilanz des ‘Neu-Regierens’” (LIT-Verlag 2006). Im derStandard.at-Interview nimmt der Politikwissenschafter zudem zu den aktuellen Debatten über die Vertretung von GewerkschafterInnen im Parlament Stellung: Der ÖGB sei überparteilich, insofern seien diese Doppelfunktionen unvereinbar. Die sozialdemokratischen FunktionärInnen in Partei und Gewerkschaft seien dabei, sich die Chancen bei den bevorstehenden Nationalratswahlen zu vermasseln. Allerdings wäre er “aufgrund der Politik, die diese Regierung zu verantworten hat” überrascht, wenn die ÖVP ihr Ergebnis von 2002 halten könne. (Ein Interview für derStandard.at)

* * *

derStandard.at: Sie haben bei der großen Demonstration gegen Schwarz-Blau im Februar 2000 davor gewarnt, dass die Regierung “Österreich nach Außen isoliert und im Inneren spaltet”. Hat sich diese Befürchtung bewahrheitet und wie würden Sie die heutige gesellschaftspolitische Lage einschätzen?

Emmerich Tálos: Diese Isolation nach Außen wurde merkbar geringer und bei der Erneuerung der Regierungskonstellation hat es deshalb keine internationale Aufregung mehr gegeben. Die Spaltung im Inneren allerdings ist beträchtlich. … weiterlesen »