Da gibt´s kein Aber!

Veröffentlicht am 15. Januar 2015 | Kein Kommentar

Natürlich seien die Anschläge von Paris mit nichts zu rechtfertigen, aber … Immer öfter liest man Aber-Aussagen wie diese. Aber die Karikaturen von Charlie Hebdo seien schon beleidigend gewesen. Aber mit ihren Karikaturen hätte Charlie Hebdo schon Gefühle verletzt. Aber viele Karikaturen von Charlie Hebdo seien schon geschmacklos gewesen. Aber viele Karikaturen von Charlie Hebdo sei schon rassistisch gewesen. Natürlich sind dies keine falschen Einwände – aaaaber….: Das ist nicht das Thema.

Es ist nun einmal die Quintessenz von Meinungsfreiheit, dass fast alles möglich ist. Anders als immer wieder behauptet wird, ist der Tucholsky zugeschriebene Satz, wonach Satire alles darf, schon jetzt falsch. Denn es gibt Gesetze gegen Beleidigung, üble Nachrede oder Verleumdung. Es gibt Gesetze gegen Rassismus oder Verhetzung. Gerade in Österreich sind diese Gesetze unzulänglich, worauf Organisationen wie ZARA, Klagsverband, SOS Mitmensch oder auch das Boltzmann Institut für Menschenrechte immer wieder – wie ich finde zuerecht – hinweisen. Gesetze dürfen allerdings nur die Funktion einer Notbremse erfüllen, wesentlich ist der gesellschaftliche Diskurs, in dem immer wieder und immer wieder von Neuem definiert wird, wo die Grenzen liegen. Aber (!) es gibt sie und auch Charlie Hebdo wurde auf Basis der französischen Gesetze immer wieder angeklagt.

Aber wie gesagt, das ist nicht das Thema. Denn Meinungsfreiheit ist ein wesentlicher Teil jeglicher ernst zu nehmender Menschenrechtserklärung. Das heißt nicht, dass es keine juristische Folgen gibt, wenn man bestimmte Grenzen überschreitet. Sehr wohl aber bedeutet es, dass man nicht um sein Leben fürchten muss, wenn man eben diese Grenzen überschreitet. Diese Grenze haben die Terroristen überschritten, weshalb es kein “aber” mehr geben darf, sondern nur ein einstimmiges Bekenntnis: Für Meinungsfreiheit – und zwar ohne wenn und aber!

Solidarität und Bewunderung

Veröffentlicht am 13. Januar 2015 | Kein Kommentar

Mir fehlen immer noch die Worte, um auszudrücken, was ich angesichts der Terrorakte empfinde, die vergangene Woche auf die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo und den Hyper Cacher verübt wurden. In Wahrheit fehlen sie mir bis heute und ich stelle fest, dass sich mir immer mehr Fragen stellen, auf viele davon habe ich bisher keine Antwort gefunden.

Als ich die Schlagzeile gelesen habe, war ich zutiefst erschüttert. Ja, Charlie Hebdo bzw. seine MacherInnen waren schon lange im Visier von Terroristen. Dass diese aber tatsächlich zur Tat schreiten würden, daran haben anscheinend nicht einmal die Charlie Hebdos geglaubt, sonst hätten sie es mit ihrer Bewachung ernster genommen, als sie dies zumindest laut Medienberichten bisweilen getan haben. Vielleicht wollten sie es nicht näher an sich herankommen lassen, weil sie sich nicht einschüchtern lassen wollten.

Genau deshalb habe ich sie bewundert. Dafür, dass sie sich einfach nicht gebeugt haben – weder nachdem ihre Redaktion Ziel eines Brandanschlags geworden war, noch angesichts unzähliger Morddrohungen. Manche würden sagen, sie haben ihre Linie stur weiterverfolgt und sich so selbst in Gefahr begeben. Andere würden sagen: Sie haben Rückgrat bewiesen. Ich muss wohl nicht mehr betonen, dass ich mich zu Letzteren zähle.

“Aber ihre Karikaturen waren islamophob, respekt- oder geschmacklos”, führen nun manche ins Feld – natürlich nicht ohne sofort zurückzurudern und zu bekräftigen: “Das darf kein Grund für einen Mord sein.” Nun kann man über ihre Karikaturen in der Tat trefflich streiten, wenn man es nicht sogar muss, denn genau das war schließlich ihr Ziel. Anders als so viele andere, die sich nun ihres Gedenkens bemächtigen, wollten sie Menschen nicht gegeneinander aufhetzen bzw. Gruppen ausgrenzen. Vielmehr wollten sie immer und immer wieder Diskussionen lostreten.

Ich bin nach wie vor zutiefst erschüttert, dass Kollegen ihr Leben lassen mussten, deren Waffe nicht mehr und nicht weniger als eine spitze Feder war – der mit einer tödlichen Kalaschnikow begegnet wurde. Immer wieder stelle ich mir das vor: Ich schreibe etwas, von dem ich zutiefst überzeugt bin, und werde auf einmal genau deshalb mit dem Tode bedroht. Was tun? Als überzeugte Demokratin und als Journalistin, die sich selbst als kritisch versteht, dürfte mich das nicht beeinflussen – ganz so, wie es die ermordeten Mitglieder der Charlie Hebdo-Redaktion gehalten haben. So weit die Theorie. Und in der Praxis? Ich befürchte in der Tat, dass ich da nicht ganz so mutig wäre, geschweige denn, wenn die Sicherheit von MitarbeiterInnen in Frage stünde. Nur: Was, wenn nicht das ist ein Kniefall vor den Terroristen? Klar, ich habe leicht reden. Umso mehr Bewunderung habe ich für diese Satiriker, die sich wortwörtlich ins Schussfeld begeben haben und letzlich tatsächlich von Schüssen getroffen wurden.

Zuletzt keimte eine andere Diskussion auf: Kaufen sich Menschen wie ich, die “Je suis Charlie” als Profilbild auf Facebook und Twitter hochgeladen haben, ein gutes Gewissen? Oder kaufen sich jene Medien frei, die nun lautstark für die Meinungsfreiheit eintreten, ohne selbst in einer ähnlichen Gefährdungssituation zu sein? Ist es nicht einfach nur feig, sich hinter diesen mutigen Menschen zu ducken, indem man nach ihrer Ermordung ein solches Bekenntnis abgibt?

Mich befreumdet das. Das mag auch daran liegen, dass ich das sehr berührende Interview mit dem früheren Chef von Charlie Hebdo angesehen habe, in dem er sich mit Tränen erdrückter Stimme wünschte, dass sich alle Welt im Gedenken an seine ehemaligen Kollegen bzw. vielmehr Freunde “Charlie” nennen möge. Dieser Wunsch wurde ihm auf eine Art und Weise erfüllt, die auch ihm möglicherweise nicht mehr ganz geheuer war. Nur soll ich mich davon beeindrucken lassen?

Nun habe ich mein Profilbild schon sehr früh gewechselt, per Zufall, weil ich von dem Attentat  früh erfahren habe – aber auch weil Frankreich meine zweite Heimat ist und ich von daher stets intensiv mitlebe, was dort passiert. Habe ich es getan, weil ich für mich beanspruchen würde etwas ähnliches zu tun wie die ermordeten Charlie Hebdos? Nichts läge mir ferner! Meine Motivation war eine völlig andere: Ich wollte Solidarität bekunden. Solidarität mit den Opfern und ihren Angehörigen. Solidarität mit meinen FreundInnen und Bekannten in Frankreich. Solidarität mit den BewohnerInnen Frankreichs, so absurd oder pathetisch das klingen mag. Und Solidarität mit allen, die von diesen Anschlägen ebenso erschüttert waren wie ich. Wer auch immer dieses Bild ebenfalls hochgeladen hat, gab mir ein ebensolches Gefühl der Solidarität. Klar, es ist nur ein Symbol und es kann auch nichts anderes sein. Muss es auch nicht, denke ich.

Deshalb sage ich einmal mehr: Oui, je suis Charlie! Je suis Ahmed! Je suis juive! Je suis flic! Je suis solidaire avec tous les hommes et femmes qui se sentent concernées de cet attentat affreux!

RIP Stéphane Charbonnier („Charb“), Jean Cabut („Cabu“), Bernard Verlhac („Tignous“), Philippe Honoré, Georges Wolinski, Bernard Maris (“Oncle Bernard”), Mustapha Ourrad, Michel Renaud, Elsa Cayat, Frédéric Boisseau, Ahmed Merabet und Franck Brinsolaro. RIP Yoav Hattab, Philippe Braham, Yohan Cohen, François-Michel Saada, die nicht zur falschen Zeit am falschen Ort waren, sondern leider Opfer der Terroristen wurden, weil sie Juden waren.

Kleiner Zwischenstopp in Chartres

Veröffentlicht am 14. November 2014 | Kein Kommentar

Paris von Oben – Tour Montparnasse

Veröffentlicht am 14. November 2014 | Kein Kommentar

Dieser Frank Gehry…

Veröffentlicht am 13. November 2014 | Kein Kommentar

Link:
www.fondationlouisvuitton.fr

Pariser Baustellen

Veröffentlicht am 13. November 2014 | Kein Kommentar

Links:
www.entrepotmacdonald.com

travaux.forumdeshalles.com

Koscheres und andere Köstlichkeiten

Veröffentlicht am 21. Oktober 2014 | Kein Kommentar

Was macht die jüdische Küche aus? Warum gibt es so viele Parallelen mit anderen Küchen? Und was ist eigentlich koscher? Eine Ausstellung im Jüdischen Museum gibt Antworten. (Erschienen in: Die Presse am Sonntag, 19.10.2014)

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Ravioli sind italienisch, Erdäpfelpuffer österreichisch und Bagel, Falafel sowie Humus jüdisch. Möchte man zumindest meinen. Dass das aber nicht unbedingt so ist und viele typisch „österreichische“ Speisen sich auch in der jüdischen Küche wiederfinden, macht die jüngste Ausstellung im Jüdischen Museum deutlich. Unter dem Namen „Kosher for … Essen und Tradition im Judentum“ gibt das Museum in der Wiener Innenstadt Einblicke in die jüdische Küche und räumt mit so manchem Missverständnis auf.

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